Nach Wahlsieg: Meloni meidet bisher Öffentlichkeit

Die Chefin der postfaschistischen Partei Fratelli d’Italia (Brüder Italiens, FdI), Giorgia Meloni schweigt nach ihrem Wahlsieg bei der Parlamentswahl am Sonntag.

Nachdem sie in der Wahlnacht kurz mit ihren Anhängern feierte und sich bei den Italienern für das Vertrauen bedankte, meldete sie sich nur noch per Tweet. Keine große Feiern in der Parteizentrale, keine kämpferischen Slogans: Die Wahlsiegerin meidet in diesen Tagen die Öffentlichkeit.

Mit einer rosa Basketballkappe am Steuer ihres Privatautos wurde Meloni vor ihrer Wohnung fotografiert. Journalisten geht sie aus dem Weg. Nach einem Treffen mit Bündnispartner Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega wurde gestern Abend lediglich eine schlichte Pressemitteilung veröffentlicht, in der die beiden Regierungskoalitionäre in spe ihren festen Kooperationswillen bekräftigten.

„Wo bleibt die Wahlsiegerin?“

Keine offiziellen Termine sind mit Meloni diese Woche geplant. Ihre Pressesprecherin schweigt. Nachdem sie während des Wahlkampfes im Hochsommer allgegenwärtig war, ist die Römerin Meloni wie untergetaucht, und die Medien rätseln inzwischen: Wo bleibt die Wahlsiegerin?

Laut ihren engsten Mitarbeiterin erholt sich die 45-jährige Politikerin nach dem Sieg von den Strapazen eines harten Wahlkampfes. Außerdem denke sie über die nächsten politischen Schritte nach. „Schweigen mag eine notwendige Strategie sein, um Fehler zu vermeiden, denn Meloni weiß genau, dass alle Mikrofone, TV-Kameras, Handys, Augen und Ohren auf sie gerichtet sind, in Italien und im Ausland“, kommentierte die römische Tageszeitung „La Repubblica“.

Demo für Recht auf Abtreibung

Indiskretionen zufolge bereitet sich Meloni auf ihre künftige Rolle als Regierungschefin vor und feilt bereits an der Ministerliste. Unterdessen bekommt Meloni bereits lautstarken Widerstand im Land zu spüren.

In mehreren italienischen Städten, darunter Rom, gingen gestern Frauen auf die Straße, um für das Abtreibungsrecht zu demonstrieren. Der Grund sind Befürchtungen, eine künftige rechte Regierung unter Meloni könnte den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen erschweren. Die Vorsitzende der FdI hatte im Wahlkampf erklärt, sie wolle Frauen eine Alternative zur Abtreibung bieten.

„Hoffe, dass Spanien auch nach rechts geht“

Auf Twitter tauschte sich Meloni unterdessen mit der spanischen rechtspopulistischen Partei Vox aus. Nachdem Vox ihr zum Wahlsieg gratuliert hatte, antwortete Meloni, sie hoffe, dass sich auch Spanien für die Rechten entscheiden werde.