„Es ist die Absicht des Unternehmens, diese Transaktion abzuschließen“, schrieb Twitter im eigenen Kurzbotschaftendienst. So könnte der Rechtsstreit um den Milliardendeal kurz vor dem mit Spannung erwarteten Gerichtsprozess doch noch vermieden werden. Musk habe in einem Brief vorgeschlagen, den Deal zum ursprünglich vereinbarten Kaufpreis von 54,20 Dollar pro Aktie durchzuführen.
Das erklärten auch seine Anwälte – und bestätigten somit einen Bericht des Finanzdienstes Bloomberg. Damit bahnt sich eine spektakuläre Wende im Konflikt um die rund 44 Milliarden Dollar teure Übernahme an. Nach Gerüchten über ein erneutes Kaufangebot war der Kurs der Twitter-Aktie am Dienstag in die Höhe geschnellt, der Handel mit den Wertpapieren an der New Yorker Börse wurde daraufhin zweimal ausgesetzt.
Berichte über Dringlichkeitsanhörung am Dienstag
Die Anwälte Musks hätten den Anwälten von Twitter den Vorschlag in der Nacht zum Montag mitgeteilt und ein vertrauliches Schreiben beim Delaware Chancery Court eingereicht, bevor am Dienstag eine Dringlichkeitsanhörung in dieser Angelegenheit stattfand, zitiert das „Wall Street Journal“ („WSJ“) einen Insider.
Die beiden Seiten würden darüber diskutieren, wie sie sicherstellen können, dass das Geschäft abgeschlossen werden kann. Die Richterin, die den Fall beaufsichtigt, habe die Parteien aufgefordert, ihr bis zum Ende des Tages einen möglichen Plan vorzulegen, mit dem der Rechtsstreit eingestellt werden könnte, so das „WSJ“.
Kaufvereinbarung im Juli für ungültig erklärt
Musk hatte die Kaufvereinbarung vom April eigentlich im Juli für ungültig erklärt, weil Twitter angeblich falsche Angaben zur Anzahl von Fake-Accounts auf seiner Plattform gemacht habe. Das Unternehmen pochte jedoch auf die Einhaltung des Kaufvertrags und zog vor Gericht. Eigentlich soll noch im Oktober der Prozess beginnen, bei dem geklärt wird, ob Musk von der Übernahme zurücktreten kann.
Die Gründe für Musks Umdenken blieben vorerst unklar. Viele Experten bewerteten seine Chancen bei dem Gerichtsverfahren von Anfang an als ungünstig. Musk versuchte monatelang, angeblich falsche Angaben von Twitter zur Zahl von Spam- und Fake-Accounts als Bruch der Übernahmevereinbarungen darzustellen. Doch ob das vor Gericht reichen würde, gilt als zweifelhaft.
Im August hatte Musk mit neuen Argumenten beim Versuch nachgelegt, die milliardenschwere Übernahme von Twitter abzublasen. Dabei brachte der Tesla-Chef Anschuldigungen eines Whistleblowers ins Spiel, der Twitter unter anderem mangelnden Schutz von Nutzerdaten und andere Sicherheitsschwächen vorwarf. Aufgrund dieser „ungeheuerlichen“ Mängel sei Musks Kaufangebot für Twitter als ungültig einzustufen, schrieben seine Anwälte damals an das Unternehmen.