Über insgesamt elf Kilometer soll sich der Skulpturenpark und Schnorchelpfad „ReefLine“ vor der Küste von Miami Beach erstrecken. Mit dem Projekt will die Kunstkuratorin und Projektgestalterin Ximena Caminos auch auf die Herausforderungen der Meeresbewohner aufmerksam machen, da die Kunstinstallation etwa auch eine Unterkunft für Fische bieten soll.
Gemeinsam mit dem Kunststudio Coral Morphologic, der Stadt Miami Beach und dem Architekturbüro Office of Metropolitan Architecture (OMA) hat Caminos den Projektplan erarbeitet. Die Idee sei aus einem Gespräch mit einem Meeresbiologen über künstliche Riffe zur Wiederherstellung und zum Schutz des Meeresökosystems entstanden, sagte Caminos im Interview mit der „New York Times“ („NYT“).
Koralle trifft Kunst
Künstliche Riffe können tatsächlich neuen Lebensraum für bestimmte Tier- und Pflanzenarten im Meer bieten, weiß auch die deutsche Meeresschutzinitiative Deepwave. Nicht immer seien diese Arten aber gewünscht, da sie natürlich vorkommende Arten vertreiben könnten. Außerdem dürften derartige menschengemachte Riffe nicht als Mülldeponie missbraucht werden.

Caminos spricht von ihrem Projekt als „Werkzeug für Veränderungen“. Sie wolle damit Kunst und Wissenschaft vereinen, um einen „nachhaltigen Wandel“ zu bewirken. Wichtig sei ihr auch, dass das Projekt partizipativ, kostenlos und öffentlich zugänglich sei. Auch als Touristenattraktion soll der Unterwasserpark besonders Schnorchel- und Tauchbegeisterte anlocken. Vor Kurzem hat die Stadt Miami Beach eine Anleihe in Höhe von fünf Millionen Dollar zur Finanzierung der „ReefLine“ bewilligt. Kommendes Jahr soll mit dem Bau begonnen werden.
Zementfreier Beton und Baumschule
Bei der Zementproduktion, dem Grundstoff für Beton, entstehen jährlich etwa viermal so viele CO2-Emissionen wie beim weltweiten Flugverkehr. Die Skulpturen der „ReefLine“ sollen daher aus einem zementfreien Geopolymerbeton gebaut werden. Dieser Beton soll Kohlenstoff sogar einfangen und speichern.
Etwa bei der Bepflanzung der Betonskulpturen mit Korallen soll es Gemeinschaftsprojekte geben, bei denen sich Menschen aktiv beteiligen können. Die Korallen sollen erst in Korallenbaumschulen gezüchtet und dann auf bestimmten Abschnitten des Unterwasserparks ausgepflanzt werden.

Korallenautos als Mahnmal
„Das Kunstwerk dient als warnendes Beispiel dafür, was mit unseren Küstenstädten geschehen wird, wenn wir nichts gegen die globale Erwärmung unternehmen“, sagte Caminos zur „NYT“. So soll etwa der argentinische Künstler Leandro Erlich für das Projekt 22 lebensgroße Autoskulpturen entwerfen und bauen.
Die Betonautos sollen aber im Gegensatz zu „echten“ Autos Kohlenstoffemissionen aufnehmen, anstatt sie auszustoßen. Das „moderne Symbol für Kohlenstoffemissionen“ werde damit in eine Kohlenstoffsenke, die von Meereslebewesen besiedelt wird, verwandelt, so Caminos.
Eine andere Skulptur soll etwa ein knapp eineinhalb Meter großes Blauwalherz abbilden. Das Kunstwerk soll noch vor der Installation unter Wasser im Dezember während einer Kunstwoche präsentiert werden.
Hotspot der Klimakrise
Fachleute warnen seit Langem vor den dramatischen Folgen, die die menschengemachte Klimaveränderung besonders für Küstenstädte wie auch Miami haben wird. Denn durch die steigenden Temperaturen dehnen sich die Ozeane aus und der Meeresspiegel steigt – bereits jetzt. Aber auch Extremwetter wie Überflutungen und Hurrikans werden im Zusammenhang mit der Klimakrise häufiger und heftiger.
Das führt auch zu Veränderungen der Ökosysteme – allen voran der Ozeane, denn sie nehmen rund ein Drittel des zusätzlichen Kohlendioxids auf. Nur wenige Korallen überleben eine derartig erhöhte Konzentration an CO2, bereits im Jahr 2035 könnte die Hälfte aller Korallenriffe verschwunden sein. Zwar können sich die Korallen erholen, diese Erholung ist aber nicht immer nachhaltig.
Südosten Floridas besonders betroffen
Laut einem Bericht der US-Klimabehörde NOAA aus 2020 haben Korallenriffe in Florida einen Vermögenswert von 8,5 Milliarden US-Dollar – etwa weil sie als Lebensraum für Fische dienen und so die Fischerei unterstützen oder für den Tourismus eine wichtige Rolle spielen.

Doch die Riffe sind nicht nur durch die Klimakrise, sondern auch durch Überfischung und Krankheiten bedroht, heißt es im Bericht. Besonders im Südosten Floridas seien die Korallen von menschlichen Aktivitäten negativ beeinträchtigt. Die Wiederherstellung dieser Riffe sei daher notwendig, um die allgemeinen Bedingungen zu verbessern.