Zerstörte Autos nach einem Erdrutsch auf der italienischen Insel Ischia
APA/AFP/ANSA
Ischia

Eine Tote und zwölf Vermisste nach Erdrutsch

Auf der italienischen Insel Ischia sind nach einem schweren Unwetter und Erdrutschen zwölf Menschen als vermisst gemeldet worden. Eine osteuropäische Frau, die auf der Insel lebte, wurde tot geborgen. Zwischenzeitlich kursierten zudem Meldungen über acht Todesopfer, die die Präfektur und die Carabinieri in Neapel allerdings vorerst nicht bestätigten.

Ein 60-jähriger Mann konnte aus dem Geröll gerettet werden und wurde mit schweren Verletzungen ins Spital eingeliefert. Ein Ehepaar mit einem Neugeborenen, nach dem gesucht worden war, wurde lebend gefunden. Zwei Personen konnten lebend aus ihrem Auto geborgen werden. Mehrere Familien waren noch isoliert, die Behörden berichteten von Dutzenden eingestürzten Gebäuden. Unzählige geparkte Autos und Kleinbusse wurden ins offene Meer gerissen. Auch im Meer wird nach Vermissten gesucht.

200 Personen mussten aus Sicherheitsgründen ihre Häuser verlassen. Hoteliers und Restaurantbetreiber boten an, den Menschen Unterkunft und Verpflegung zu sichern. Schulen und Turnhallen sollen die Obdachlosen beherbergen.

Zerstörung durch einen Erdrutsch auf der italienischen Insel Ischia
IMAGO/Antonio Balasco
Viele Häuser wurden von einer Schlammlawine beschädigt

„Es gibt einige Schwierigkeiten bei den Rettungsarbeiten, weil die Wetterbedingungen immer noch schlecht sind“, sagte der italienische Innenminister Matteo Piantedosi. Zuvor hatte Infrastrukturminister Matteo Salvini erklärt, acht Menschen seien bei dem Erdrutsch ums Leben gekommen.

Verkehr auf vielen Straßen blockiert

Der Hafen der wegen seiner Thermalbäder bekannten Insel war vorerst gesperrt. Der Verkehr war auf vielen Straßen der Insel blockiert, und die Rettungskräfte hatten Mühe, in die am stärksten von den Überschwemmungen betroffenen Gebiete zu gelangen. Da einige Häuser nur über schmale Straßen zu erreichen sind, konnten die Rettungskräfte noch nicht alle Gebäude kontrollieren und das tatsächliche Ausmaß der Schäden feststellen.

Die Bevölkerung wurde von den Behörden gebeten, ihre Häuser nicht zu verlassen, um die Rettungsarbeiten nicht zu behindern. Vom Festland entsandten die Behörden aus Neapel weitere Verstärkung auf die beliebte Mittelmeer-Ferieninsel. Der Bürgermeister von Ischia, Enzo Ferrandino, sprach von einer Tragödie und bat um Hilfe.

Rettungskräfte bergen eine verletzte Person nach einem Erdrutsch auf der italienischen Insel Ischia
IMAGO/Antonio Balasco
Den Angaben zufolge begruben die Erdmassen ein Haus unter sich und schoben mehrere Autos ins Meer

Auf Fernsehbildern und einem Video der Feuerwehr waren völlig zerstörte Autos, von Schlamm bedeckte Straßen, mitgerissener Schutt und ein Hang zu sehen, an dem zuvor ein Erdrutsch abgegangen zu sein schien. Mehrere Personen saßen in einem Hotel ohne Strom fest. Auf Twitter kursierte ein Video von einem Mann, der in einem Gebäude im Dunkeln bis zur Brust im Schlamm steckte.

Erdrutsch auf italienischer Insel Ischia

Auf der italienischen Insel Ischia ist es nach einem schweren Unwetter zu Erdrutschen gekommen.

Familien in Häusern eingeschlossen

Einige Familien waren laut Medienberichten in ihren Häusern eingeschlossen. „Ich versuche ununterbrochen, einige als vermisst gemeldete Personen anzurufen, aber leider habe ich bisher noch keine Antwort erhalten“, berichtete Gino Ballirano, Pfarrer der Kirche Santa Maria Maddalena in Casamicciola. Die Diözese Ischia mobilisierte die Caritas für Erste Hilfe. Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni dankte den Rettungskräften für ihren Einsatz, wie ihr Amtssitz in Rom mitteilte.

Extremwetter

Zwar lassen sich einzelne Extremereignisse nicht direkt auf eine bestimmte Ursache zurückführen, klar ist laut Weltklimarat aber: Durch die Klimakrise werden Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, Stürme und Hitze häufiger und intensiver. Das heißt: Niederschläge und Stürme werden stärker, Hitzewellen heißer und Dürren trockener.

Sie stehe in Kontakt mit den Behörden an Ort und Stelle. Ischias Bürgermeister ordnete bereits am Freitag wegen des angekündigten Unwetters an, Schulen, Parks und Friedhöfe für Samstag zu schließen.

Ischia ist die größte Insel des Golfs von Neapel, zu dem auch Capri und Procida gehören. Die 46 Quadratkilometer große Insel vulkanischen Ursprungs zählt 62.000 Einwohner und ist in sechs Gemeinden aufgeteilt.

2017 Erdbeben in Casamicciola Terme

2017 hatte Casamicciola Terme, ein Kurort mit rund 8.000 Einwohnern, ein Erdbeben erlebt, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen waren. Bei einem Erdrutsch 2009 war eine 13-Jährige ins Meer gerissen worden, Dutzende Menschen wurden verletzt. Ende des 19. Jahrhunderts war Casamicciola Terme durch ein starkes Erdbeben vollständig zerstört worden.

Schwere Unwetter tobten am Samstag unterdessen in weiteren Teilen Mittel- und Süditaliens: In Venedig gab es am Freitag Hochwasser.