Sudan: Kämpfe trotz angekündigter Waffenruhe

Auch nach einer angekündigten Waffenruhe sind die heftigen Gefechte im Sudan weitergegangen. Laut Augenzeugen waren Schüsse in der Hauptstadt Khartum gestern nach 18.00 Uhr zu hören. Die paramilitärische Gruppe RSF hatte sich am Nachmittag zu einer Feuerpause ab diesem Zeitpunkt bereit erklärt. Die Hoffnung darauf war ohnehin gering: Denn die gegen die RSF kämpfende sudanesische Armee hatte einer Waffenruhe im Voraus nicht zugestimmt.

Internationale Vermittler versuchen seit Tagen, die Konfliktparteien zu einem Waffenstillstand zu bewegen, um humanitäre Korridore zu schaffen. Bereits mehrmals wurden zugesagte Feuerpausen gebrochen. In dem nordostafrikanischen Land liefern sich Einheiten der Armee und der RSF-Miliz seit Samstag erbitterte Kämpfe. Zuvor war eine Einigung zur Eingliederung der RSF in die Armee gescheitert.

Viele Krankenhäuser außer Betrieb

Für die in ihren Wohnungen festsitzenden Zivilistinnen und Zivilisten wurde die Lage zunehmend hoffnungslos: Die Nahrungsmittelvorräte schwinden, der Strom fällt aus, Trinkwasser fehlt. Die Aussicht auf eine Evakuierung der Menschen am Vortag war zerstört worden, nachdem eine humanitäre Feuerpause nur Minuten nach ihrem Inkrafttreten wieder gebrochen worden war.

39 der insgesamt 59 Krankenhäuser und Kliniken der Hauptstadt waren wegen der anhaltenden Kämpfe außer Betrieb, wie das sudanesische Ärztekomitee mitteilte. Einige Krankenhäuser seien bombardiert, andere angegriffen und geplündert worden, hieß es. Das Komitee forderte eine „dringende Intervention“ zum Schutz des medizinischen Personals und der Patientinnen und Patienten.

Ein Mitarbeiter der Europäischen Kommission ist unterdessen angeschossen worden. Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde. Demnach handelt es sich um den Leiter des Büros der Generaldirektion Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz (ECHO) in Khartum. Er ist Belgier und arbeitet seit 2019 dort in dieser Funktion.