Ende von Getreideabkommen: WFP warnt vor Hunger

Der Berliner Büroleiter des UNO-Welternährungsprogramms (WFP) hat eine Zunahme des Hungers in der Welt nach dem Aussetzen des Schwarzmeer-Getreideabkommens durch Russland prognostiziert.

„Wir erwarten, dass Hungerzahlen weiter ansteigen und dass mehr Menschen es sich nicht mehr leisten können, elementare Lebensmittel zu kaufen“, sagte Martin Flick heute im Deutschlandfunk. Schon jetzt sind nach UNO-Angaben 345 Millionen Menschen von Lebensmittelunsicherheit betroffen.

Das Problem sei „nicht, dass wir nicht genügend Lebensmittel in der Welt haben, sondern die Preise“, die auf einem Zehnjahreshoch liegen, sagte Flick weiter.

Vor allem Afrika, Afghanistan und Jemen betroffen

Am stärksten seien nach sechs ausgebliebenen Regenzeiten das Horn von Afrika, Afghanistan und das Kriegsland Jemen betroffen, insgesamt seien aber Menschen in 70 Ländern extrem gefährdet, sagte Flick weiter. Die „Schockwellen einer solchen Unterbrechung“ seien „bis nach Lateinamerika“ zu spüren.

Russland hatte gestern das von der UNO und der Türkei vermittelte Abkommen zum Export ukrainischen Getreides über das Schwarze Meer nach einem Jahr für beendet erklärt und auslaufen lassen. Moskau fordert eine Lockerung der westlichen Sanktionen, um mehr Düngemittel und eigene Agrarprodukte ausführen zu können.

Die Begründung des Kremls hält Flick für nicht nachvollziehbar. „Gerade die Exporte russischer Düngemittel sind wieder fast auf Vorkriegsniveau – und die Angaben kommen von den Erzeugern dieser Düngemittel selbst.“ Er hoffe, dass Russland noch einlenke, sagte Flick.