Donald Trump
Reuters/Scott Morgan
Trump

Autoritäre Sprache alarmiert Historiker

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump bringt sich ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl 2024 in Stellung. Bei seinen Reden bemerken Historikerinnen und Historiker dabei zunehmend eine Sprache, die an autoritäre Führer der 1930er Jahre erinnert, wie US-Medien berichteten. So bezeichnete er seine politischen Gegner zuletzt als „Ungeziefer“, das er „ausrotten“ wolle.

„Wir versprechen Ihnen, dass wir die Kommunisten, Marxisten, Faschisten und die linksradikalen Schläger ausrotten werden, die wie Ungeziefer in den Grenzen unseres Landes leben, die lügen, stehlen und Wahlen betrügen“, sagte der 77-Jährige in einer Rede Mitte November und behauptete einmal mehr, dass die Wahl 2020 „gestohlen“ worden sei.

„Sie werden alles tun, ob legal oder illegal, um Amerika zu zerstören und den amerikanischen Traum zu zerstören.“ Die Bedrohung durch äußere Kräfte sei „weit weniger unheimlich, gefährlich und schwerwiegend als die Bedrohung von innen. Unsere Bedrohung kommt von innen. Denn wenn man einen fähigen, kompetenten, klugen und starken Führer hat, dann werden Russland, China und Nordkorea nicht mit uns spielen wollen.“

Als größte „Bedrohung von innen“ definiert Trump die politische Linke. So beschuldigte er in seiner knapp zweistündigen Rede am Veteranentag die Demokraten und den amtierenden US-Präsidenten Joe Biden, seine Bemühungen für eine bessere Gesundheitsversorgung für Veteranen zu zerstören, die Inflation in die Höhe zu treiben, das Land an den Rand des Dritten Weltkriegs zu treiben, die Truppen in Afghanistan zu gefährden sowie zu lügen und Wahlen zu manipulieren. Er selbst sei ein „sehr stolzer Wahlverweigerer“.

Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Claremont
AP/Reba Saldanha
Trump bei seinem Wahlkampfauftritt in Claremont

„Sprache, die Diktatoren verwenden“

Dass Trump in seiner Wahlkampftaktik nun auf Attacken gegen eine „innere“ Bedrohung setzt, hat bei Autokratiefachleuten, die auch Trumps Lob für ausländische Diktatoren und seine Verachtung für demokratische Ideale mit zunehmender Sorge beobachteten, neue Alarmsignale ausgelöst, berichtete die „New York Times“ („NYT“). Dabei gehe es vor allem um die Frage, ob seine rhetorische Wende hin zu faschistisch anmutenden Äußerungen nur als eine Provokation der Linken oder gar „das Fallenlassen eines Schleiers“ sei.

„Die Sprache ist eine Sprache, die Diktatoren verwenden, um Angst einzuflößen“, sagte Timothy Naftali, Wissenschaftler an der School of International and Public Affairs der Columbia University, gegenüber der „Washington Post“. „Wenn man einen Gegner entmenschlicht, beraubt man ihn seiner verfassungsmäßigen Rechte, sicher an einer Demokratie teilzunehmen, weil man sagt, er sei kein Mensch. Das ist, was Diktatoren tun.“

Ruth Ben-Ghiat, Historikerin an der New York University, sagte gegenüber der „Washington Post“, dass „die Bezeichnung von Menschen als ‚Ungeziefer‘ von Hitler und Mussolini wirkungsvoll eingesetzt wurde, um Menschen zu entmenschlichen und ihre Anhänger zur Gewalt zu ermutigen.“ Beachtenswert sei auch, „dass er alle Arten von Autoritären – Kommunisten, Marxisten, Faschisten und die radikale Linke – erwähnt, um sich als Befreier der Freiheit darzustellen“, so Ben-Ghiat. „Auch Mussolini hat seinem Volk Freiheit versprochen und dann die Diktatur ausgerufen.“

Donald Trump bei einem Auftritt in Houston, Texas
APA/AFP/Getty Images/Brandon Bell
Trump bei einem Auftritt in Houston, Texas

Polarisierung als Problem

Die Sprache Trumps in letzter Zeit entwickle sich zwar in eine solche Richtung, sie entspreche aber nicht ganz dem Sprechstil faschistischer Politiker der Vergangenheit, so die Einschätzung von Fachleuten gegenüber der „NYT“. Dennoch sei sein Wahlkampfstil „verdammt gefährlich“, sagte der ehemalige Verteidigungsminister Chuck Hagel, ein Republikaner, der nach zwölf Jahren als Senator aus Nebraska im Kabinett des ehemaligen demokratischen US-Präsidenten Barack Obama gedient hatte.

Es sei zu einfach, ihn als Neofaschisten oder Autokraten zu bezeichnen. Allerdings treibe er die Polarisierung in den USA voran. „Die wirkliche Gefahr besteht darin, dass das weiter anschwillt und eine Mehrheit im Kongress, in den Parlamenten der Bundesstaaten und in den Gouverneursämtern erobert.“ In einer Demokratie müsse es Kompromisse geben, die Alternative sei eine autoritäre Regierung.

Trump-Sprecher: Kritiker befürchten Vernichtung

Auch die Anti-Defamation-League (ADL) kritisierte den ehemaligen Präsidenten kürzlich, weil er in einem Interview gesagt hatte, dass Einwanderinnen und Einwanderer ohne Papiere „das Blut unseres Landes vergiften“ würden. Trumps Äußerungen über Blut würden zeigen, dass seine Sprache „immer extremer“ werde, sagte Domingo Garcia, Präsident der League of United Latin American Citizens.

Steven Cheung, ein Sprecher Trumps, erklärte gegenüber der „Washington Post“, diejenigen, die versuchen würden, derartige „lächerliche Behauptungen“ aufzustellen, seien „Sensibelchen (‚Snowflakes‘, Anm.), die nach irgendetwas greifen, weil sie unter dem Trump-Umnachtungssyndrom leiden und ihre gesamte Existenz vernichtet wird, wenn Präsident Trump ins Weiße Haus zurückkehrt“. Später spezifizierte er, er habe eigentlich „traurige, miserable Existenz“ sagen wollen.

Trump will Kritiker sanktionieren

Trump scheint sich die verbalen Attacken jedenfalls, zumindest was die Umfragewerte betrifft, trotz aller Kritik leisten zu können. Von allen Bewerberinnen und Bewerbern um die Kandidatur der Republikaner hat Trump derzeit mit Abstand die besten Chancen. Und auch gegen den demokratischen Amtsinhaber Biden ist er trotz diverser Justizverfahren in Umfragen mittlerweile meist im Vorteil.

Inzwischen kristallisiert sich auch zunehmend heraus, was Trump vorhat, sollte er ins Weiße Haus zurückkehren. Wie die „Washington Post“ kürzlich berichtete, haben der Ex-Präsident und dessen Verbündete bereits damit begonnen, konkrete Pläne zu entwerfen, wie man Kritiker und Kritikerinnen der künftigen Regierung unter Trump sanktionieren kann. Der Republikaner habe Personen genannt, gegen die ermittelt werden soll, hieß es in dem Bericht. Zudem kündigte er kürzlich an, im Fall seiner Wiederwahl 2024 umgehend Bidens Pläne für ein Handelsabkommen im Pazifikraum zu revidieren.