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Vergleiche in weiteren Fällen angestrebt

Zwölf Jahre erbitterter Kampf, und plötzlich sind sich alle einig: Die Leopold Museum Privatstiftung (LMPS) und die Erben der in der NS-Zeit enteigneten Kunsthändlerin Lea Bondi-Jaray haben sich am Dienstag überraschend auf eine Summe von 19 Millionen Dollar für Egon Schieles „Bildnis Wally“ geeinigt.

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„Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Nach über 70 Jahren wird das an Lea Bondi-Jaray begangene Unrecht endlich anerkannt und wenigstens teilweise wiedergutgemacht“, kommentierten die Erben nach Bondi-Jaray laut einem Blog der „New York Times“ die Einigung. Auch mit der Summe von 19 Millionen Dollar zeigte man sich zufrieden, der vereinbarte Preis spiegle den Wert des Gemäldes wider.

„Wir dürfen mit Freuden mitteilen: Die ‚Wally‘ wird nach Österreich zurückkehren“, bestätigte der Kaufmännische Direktor des Wiener Leopold Museums, Peter Weinhäupl, die in der Nacht bekanntgewordene Einigung. Diethard Leopold, Sohn des verstorbenen Kunstsammlers und Stiftungsgründers Rudolf Leopold, betonte, dass sein Vater sich bis zuletzt im Recht gesehen habe, was den gutgläubigen Erwerb des Gemäldes anging.

Verhandlungen selbst eingeleitet

Weil Leopold das „Bildnis Wally“ noch zu Lebzeiten in Wien sehen wollte, soll er selbst noch Anfang des Jahres die Vergleichsverhandlungen eingeleitet haben. Dieser Wunsch blieb dem Sammler verwehrt, die Einigung wurde erst knapp einen Monat nach seinem Tod Ende Juni erzielt.

Staffelei mit umgedrehtem Bild

ORF.at/Sophia Felbermair

Die Kopie des Gemäldes wurde von Sammlerwitwe Elisabeth Leopold auf der Pressekonferenz umgedreht.

Weinhäupl, Elisabeth Leopold sowie ihr Sohn Diethard konnten ihren Standpunkt zur Einigung vorerst nur neben einer 1:1-Kopie des Gemäldes erläutern, die von der Sammlerwitwe kurzerhand umgedreht wurde - sie sei voller Vorfreude auf das Original. Das Gemälde ist noch in einem US-Depot in Verwahrung, es soll in den kommenden Tagen übernommen werden.

Neuer Ton in der Stiftung

Dass mit einer neuen Generation in der Stiftung auch ein neuer, versöhnlicherer Ton angeschlagen werden könnte, wurde deutlich, als Diethard Leopold ein Statement der Leopold Museum Privatstiftung verlas. Darin wird ausgehend vom Fall „Wally“ auch auf weitere in der Provenienz strittige Kunstwerke aus der Sammlung Bezug genommen.

Obwohl gesetzlich nicht dazu verpflichtet, werde die Stiftung „aus moralischer Verantwortung der Geschichte Österreichs und seiner jüdischen Mitbürger gegenüber handeln, Vergleiche anstreben und realisieren, die die Ansprüche und Vorstellungen beider Seiten zu befriedigen imstande sein werden“. Man werde jeweils spezifische Einzellösungen anstreben, sagte Leopold auf Nachfrage. Der bei „Wally“ eingeschlagene Weg sei auch dort denkbar, aber nur eines von „mindestens drei Szenarien“, die derzeit geprüft würden.

Finanzierung durch Verkauf von Beständen

Die Zwischenfinanzierung der 19 Mio. Dollar übernimmt die Raiffeisenlandesbank Wien-Niederösterreich, dafür werden fünf Schiele-Gouachen verpfändet. Das Geld soll in Tranchen durch den Verkauf von Bildern aus dem Bestand der Stiftung aufgebracht werden. Rudolf Leopold habe „in einem tage-, ja wochenlangen Prozess“ selbst Bilder für den Verkauf ausgewählt, die endgültige Liste werde der Stiftungsvorstand erst erstellen, hieß es. An eine Sonderauktion sei jedenfalls nicht gedacht.

"Bildnis Wally" von Egon Schiele

APA/Egon Schiele/Leopold-Museum-Privatstiftung

Das „Bildnis Wally“ von Egon Schiele

Ab 29. Juli wird das Bild für drei Wochen im New Yorker Museum of Jewish Heritage gezeigt, erst danach wird es nach Wien transportiert und in einer Sonderpräsentation ausgestellt werden. Ein von der Stiftung mit den Erben nach Bondi-Jaray gemeinsam formulierter Text soll neben dem Werk künftig die Besitzergeschichte erläutern - für Diethard Leopold „ein Novum, das ich außerordentlich begrüße“.

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