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„Verzweiflungsakt“ für IKG

Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) hat am Mittwoch in einer Aussendung Verständnis dafür gezeigt, dass die Erben nach Lea Bondi-Jaray sich im Rechtsstreit um das „Bildnis Wally“ von Egon Schiele außergerichtlich mit der Stiftung Leopold geeinigt haben.

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Die IKG respektiere, dass die Erben der jüdischen Kunsthändlerin „dieses unselige Kapitel“ nach „zwölf Jahren der Schikanen, Uneinsichtigkeit und Widerstands“ gegen eine Restitution des Bildes schließen wollten. Gleichzeitig sieht sie das Angebot eines Vergleichs als „Verzweiflungsakt“ der Stiftung Leopold.

Immerhin habe das vom Kulturministerium eingerichtete unabhängige Expertengremium mehrere Kunstwerke der Stiftung als Raubkunst identifiziert. Zudem wäre es „nach Ansicht der Leopold Stiftung wohl ein Desaster gewesen“, wenn bei der ursprünglich für kommenden Montag angesetzten Verhandlung das New Yorker Gericht zu dem Schluss gekommen wäre, dass es sich beim „Bildnis Wally“ um Raubkunst handelt und das Werk vom kürzlich verstorbenen Kunstsammler Rudolf Leopold nicht in gutem Glauben erworben wurde.

Die Stiftung habe durch die Einigung kurz vor dem Gerichtsverfahren „unbedingt einen Präzedenzfall, der für die Stiftung betreffend andere Werke wohl Konsequenzen gehabt hätte“, verhindern wollen. Die IKG forderte von der Stiftung Leopold „die vollständige Offenlegung des Vergleichs in allen Details“. Gleichzeitig betonte sie, dass ein Vergleich wie jener zum „Bildnis Wally“ kein Präjudiz und Beispiel für die folgenden geraubten Kunstwerke sein dürfe.

Vergleich für Gehrer „geschickt“

Die ehemalige Kulturministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) befand die Lösung für die Rückgabe des Gemäldes für gut. „Ich glaube, dass es geschickt war, einen Vergleich anzustreben“, sagte Gehrer am Mittwoch am Rande der Festspiel-Eröffnung in Bregenz. Man sei schon längst zu dem Schluss gekommen, dass es in den USA gerichtlich nichts zu gewinnen gebe.

Die Restitutionsexpertin Sophie Lillie zeigte sich „sehr froh“ über die Einigung. Sie hält die Entscheidung für „sehr wichtig und gut“ und ist „zufrieden, dass sich das Leopold Museum endlich dazu durchgerungen hat“. Einen Präzedenzfall sieht sie darin jedoch nicht, denn „es sollte nicht notwendig sein, wieder zwölf Jahre lang einen Prozess zu führen“. „Ideal wäre es gewesen, wenn das Museum von sich aus schnell und zügig gehandelt hätte“, sagte Lillie zur APA.

„Freier Weg“ für weitere Vergleiche

„Nun haben wir es also schwarz auf weiß: Die Stiftung Leopold kann Bilder verkaufen oder verschenken, sie muss es nur wollen“, erklärte dagegen der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, in einer Aussendung zur Ankündigung des Leopold Museums, zur Finanzierung des Vergleichs Sammlungsbestände zu veräußern.

Der Weg sei damit frei für die umfassende Rückgabe bedenklicher Objekte aus der Sammlung Leopold. „Die Einigung in ihrer jetzigen Form hätte bei einer weniger sturen Haltung der Stiftung Leopold schon vor langer Zeit erzielt werden können. Aber die Stiftung hat es vorgezogen, Jahr für Jahr Hunderttausende Euro in Anwalts- und Gerichtskosten zu buttern, weil Rudolf Leopold sich weigerte, das Bild als NS-Raubkunst anzuerkennen.“

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