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Strafe wegen Bilanzfälschung

Über 15 Jahre ist Wolfgang Kulterer an der Spitze der Kärntner Hypo Bank gestanden. Lange Zeit wurde er als Spitzenmanager gefeiert. Nach dem Auffliegen der Swap-Verluste 2006 musste er gehen. Seitdem zeigte sich, auf welch wackeligen Beinen das Hypo-Imperium eigentlich stand.

Die Verluste explodierten. Im Dezember 2009 musste die Bank notverstaatlicht werden. Der 57-jährige Kulterer wurde wegen Bilanzfälschung verurteilt, die Justiz nahm ihn - wie auch andere Vorstände - wegen möglicher Betrugsfälle ins Visier, am Freitag wurde er überraschend festgenommen.

Seine Berufslaufbahn begann Kulterer bei der Firma Waagner-Biro in Wien, nebenbei schrieb der Wirtschaftsstudent seine Doktorarbeit. Im Sommer 1981 schnupperte er erstmals Bankenluft: als Trainee in der Raiffeisen Zentralbank in Wien. Nach einem Post-Graduate-Studium an der Harvard Business School in Lausanne 1986 wurde er von der RLB als Sanierungsmanager in eine lokale Kärntner Raiffeisenbank entsandt. 1988 wurde Kulterer Geschäftsführer in der RLB Kärnten, zuständig für das Eigenbankgeschäft und die Sanierung der Lagerhaus-Betriebe.

Expansion unter Kulterer

Im November 1992 holte ihn der damalige ÖVP-Landeshauptmann Christof Zernatto in den Vorstand der Kärntner Landeshypotheken-Bank. Das Geldinstitut hatte knapp davor die Grazer Wechselseitige Versicherung als Partner ins Boot geholt. Die Bilanzsumme der Bank belief sich zu diesem Zeitpunkt auf 1,87 Mrd. Euro (25,8 Mrd. Schilling). Die damalige FPÖ Jörg Haiders kritisierte die Bestellung als „rot-schwarze Packelei“.

Die Hypo wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, Kulterer trieb die Expansion gemeinsam mit seinem „roten“ Vorstandskollegen Jörg Schuster beharrlich voran. Nach dem Zerfall Jugoslawiens setzte er bald auf die Nachfolgestaaten, 1995 wurde das Institut in Hypo Alpe-Adria-Bank umbenannt. Die Expansion begann vorerst mit Leasing-Gesellschaften in Slowenien und Kroatien, wo 1997 die kroatische Hypo-Tochter ins Leben gerufen wurde.

In rascher Folge wurden weitere Beteiligungen eingegangen und Bankentöchter gegründet, stets war Kulterer die treibende Kraft. 2005 wurde eine Bilanzsumme von 24,23 Mrd. Euro erzielt. Im Jahr darauf flog auf, dass die Bank 2004 328 Mio. Euro an Swap-Verlusten nicht in die Bilanz aufgenommen hatte. Das kostete Kulterer den Job und brachte ihm später eine hohe Geldstrafe wegen Bilanzfälschung ein.

Weiter im Aufsichtsrat

Doch auch nach seinem Abgang aus der Vorstandsetage zog Kulterer als Aufsichtsratsvorsitzender der Hypo weiter die Fäden im Hintergrund. Er war maßgeblich an dem Verkauf der Mehrheit an die Bayerische Landesbank im Jahr 2007 beteiligt und legte erst nach dem Closing sein AR-Mandat zurück.

In der Folge verlegte Kulterer seinen Wohnsitz nach England, zumindest offiziell, machte Geschäfte in Rumänien und musste sich in den vergangenen zwölf Monaten immer wieder mit Vorwürfen bezüglich seiner Vorstands-Ära herumschlagen. Die Justiz nahm ihn und zahlreiche andere Hypo-Verantwortliche wegen dubioser Geschäfte am Balkan ins Visier, auch der Vorwurf der Geldwäsche wurde geäußert.

Vorwürfe bestritten

Der Banker bestritt stets sämtliche Vorwürfe, zuletzt nahm er im Mai vor dem Hypo-U-Ausschuss des Kärntner Landtages Stellung. Solange er die Bank geleitet habe, sei alles „in bester Ordnung“ gewesen, die Probleme hätten erst danach begonnen. Vor allem die BayernLB hätte „unkontrolliertes Wachstum“ zugelassen und die Bank gegen die Wand gefahren, so die Darstellung Kulterers.

Sein Privatleben hielt der Banker möglichst aus dem Scheinwerferlicht, dass seine Scheidung publik wurde, war ihm eher unangenehm. Bekanntheit erlangte er in einem ganz anderen Gebiet: Kulterer ist passionierter Reiter, der auch bei internationalen Bewerben gute Figur machte. Seinen Reitstall in Kärnten hat er inzwischen verkauft.

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