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Staatsanwalt sieht Fluchtgefahr

Der ehemalige Vorstandschef der Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank, Wolfgang Kulterer, ist am Sonntagnachmittag in Untersuchungshaft genommen worden. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Helmut Jamnig, erklärte, habe der Richter dem Antrag der Anklagebehörde stattgegeben. Richter Oliver Kriz führte das notwendige Verhör mit Kulterer.

Die Anklagebehörde beantragte die U-Haft. Laut Jamnig wurde bei den Hausdurchsuchungen am Freitag gezielt nach bestimmten Dokumenten gesucht, dabei sei man auch fündig geworden. Der Staatsanwalt widersprach damit den Aussagen von Kulterers Verteidiger, Ferdinand Lanker, der gemeint hatte, es seien lediglich Kopien alter Akten zur Causa Swap-Verluste beschlagnahmt worden. Für Jamnig sind die sichergestellten Unterlagen von Relevanz für das Ermittlungsverfahren.

Kulterer wurde am Freitag in der Früh von der SoKo Hypo in der Tiefgarage des Klagenfurter Hauses festgenommen, in dem er seine Wohnung hat. Diese soll übrigens zum Verkauf stehen, Kulterer seinen Wohnsitz bereits abgemeldet haben. Das dürfte für die Anklagebehörde auch mit ein Grund für die Festnahme und die Beantragung der U-Haft gewesen sein. Sie sieht Flucht- und Verdunkelungs- sowie Tatbegehungsgefahr.

Kulterer weist Vorwürfe zurück

Dem 56-Jährigen wird Untreue zum Nachteil der Hypo Alpe-Adria-Bank vorgeworfen, der Strafrahmen bei einer Verurteilung beträgt ein bis zehn Jahre Haft. Kulterer selbst hatte sämtliche Vorwürfe stets zurückgewiesen und seinerseits den späteren Eigentümer der Hypo, die Bayerische Landesbank, für das Desaster verantwortlich gemacht. Zuletzt hatte er diese These im Mai bei seiner Einvernahme vor dem Hypo-U-Ausschuss des Kärntner Landtages vertreten.

Wie groß das Desaster bei der im Dezember 2009 notverstaatlichten Bank tatsächlich ist, zeigen die aktuellen Zahlen. Die Bilanz 2009 wies einen Verlust von mehr als 1,5 Milliarden Euro aus. Der im April geholte neue Vorstandschef Gottwald Kranebitter meinte in einem Interview mit der „Kronen Zeitung“ (Sonntag-Ausgabe), im heurigen Jahr würden weitere Rückstellungen in der Höhe von rund einer Milliarden Euro nötig. Wie hoch der Verlust ausfallen wird, sagte Kranebitter nicht, sicher ist aber, dass das sechstgrößte Geldinstitut Österreichs weiter tiefrote Zahlen schreiben wird.

Weitere Festnahmen nicht ausgeschlossen

Im Finanzministerium zeigt man sich erfreut über die Festnahme Kulterers. Damit würden die Chancen steigen, Schadenersatz einfordern zu können, sagte ein Sprecher von Finanzminister Josef Pröll (ÖVP). Ähnlich reagierten Kranebitter und Hypo-Aufsichtsratschef Johannes Ditz. Kroatiens Ministerpräsidentin Jadranka Kosor begrüßte in einer Stellungnahme das „Öffnen der Eiterbeule“ und hofft auf rasche Aufklärung.

Bei der SoKo Hypo will man indes weitere Festnahmen nicht ausschließen. Immerhin ermittle man gegen aktuell rund 40 Beschuldigte, sagte SoKo-Chef Bernhard Gaber. Am Freitag hatte es Hausdurchsuchungen an zehn Standorten in Kärnten und Wien gegeben, eine ehemalige Mitarbeiterin Kulterers, die bei der Hypo zeichnungsberechtigt gewesen sein soll, wurde ebenfalls festgenommen, aber noch am Freitagabend wieder auf freien Fuß gesetzt.

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