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SPD, Grüne und Linke für Abberufung

Die Ankündigung des Vorstands der Deutschen Bundesbank, die Abberufung des Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin beim deutsche Präsidenten Christian Wulff zu beantragen, hat in Deutschland eine große Welle von Reaktionen hervorgerufen.

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Die deutsche Integrationsbeauftragte, die SPD, die Grünen und Linken begrüßten die Entscheidung. Sarrazin war wegen seiner umstrittenen Thesen über islamische Migranten in die Kritik geraten. Wulff hat nun die letzte Entscheidung. Die deutsche Integrationsbeauftragte Maria Böhmer erklärte, die Deutsche Bundesbank habe die Notbremse gezogen. Sarrazins Abberufung wende Schaden von der Bundesbank und vom Ansehen Deutschlands in der Welt ab.

Der deutsche SPD-Chef Sigmar Gabriel begrüßte die geplante Abberufung Sarrazins. „Das ist eine konsequente Entscheidung“, erklärte Gabriel in Berlin. Sarrazin gehört der SPD an. Diese will ihn wegen seiner umstrittenen Äußerungen über Migranten und Juden auch aus ihren Reihen ausschließen.

„Immer noch Meinungsfreiheit“

Der Berliner SPD-Politiker Heinz Buschkowsky übte dagegen scharfe Kritik an der geplanten Abberufung Sarrazins. „Wenn jemand wegen umstrittener Thesen mit einem Berufsverbot belegt wird, geht das den Menschen gehörig gegen den Strich“, sagte der Bürgermeister des Bezirks Neukölln nach einer Meldung vom „Spiegel“ (Onlineausgabe) vom Donnerstag. „Es gibt bei uns immer noch die Meinungsfreiheit.“

Der Bezirksbürgermeister kritisierte auch die Ankündigung der SPD-Spitze, Sarrazin aus der Partei auszuschließen. „Eine Partei kann sich nicht wegducken vor einer Debatte, die 90 Prozent der Gesellschaft interessiert“, sagte Buschkowsky. „Eine Volkspartei darf nicht das Volk verlieren.“

Grüne und Linke begrüßen Entscheidung

Die Grünen begrüßten die Abberufung Sarrazins. „Thilo Sarrazin ist mit seinen hanebüchenen Thesen als Repräsentant der Bundesbank nicht mehr tragbar“, erklärte Fraktionschefin Renate Künast am Donnerstag in Berlin. „Seine Abberufung ist unausweichlich geworden. Wir erwarten, dass jetzt zügig alle notwendigen weiteren Schritte getan werden, um Sarrazin seines Amtes zu entheben.“ Künast erklärte, man hoffe, dass nun in Ruhe über Integration von Migranten gesprochen werden könne.

Die Linken bezeichneten den angekündigten Rauswurf Sarrazins als überfällig. „Thilo Sarrazin hat dem Ansehen der Bundesbank schweren Schaden zugefügt“, erklärte Parteichefin Gesine Lötzsch am Donnerstag in Berlin. „Bundespräsident und Bundesregierung sollten jetzt umgehend handeln. Es muss sichergestellt werden, dass Sarrazin keinen Goldenen Handschlag bekommt.“ Lötzsch forderte Sarrazin auf, jetzt selbst zurückzutreten.

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