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Richter: Aus Rache gehandelt

Im Prozess um die tödliche Prügelattacke auf den Manager Dominik Brunner hat das Landgericht München I am Montag langjährige Haftstrafen verhängt. Der als Haupttäter geltende 19-jährige Markus S. wurde wegen Mordes in Tateinheit mit versuchter räuberischer Erpressung zu neun Jahren und zehn Monaten Jugendhaft verurteilt.

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Gegen Sebastian L. (18) verhängte das Landgericht sieben Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge. Laut Richter Reinhold Baier handelte Markus S. aus Rache, weil Brunner sich am S-Bahnhof München-Solln schützend vor eine Schülergruppe gestellt hatte. Brunner wurde dadurch zum Symbol für Zivilcourage, er wurde dafür posthum mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Ein Bild von Dominik Brunner, umkreist von Blumen und Kerzen

Reuters/Michael Dalder

Brunners Tod löste eine Debatte über die Verrohung der Gesellschaft aus.

Verteidiger will berufen

Mit dem Urteil folgte das Gericht annähernd den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für Markus S. die höchstmögliche Jugendstrafe von zehn Jahren wegen Mordes gefordert. Bei Sebastian L. plädierte die Staatsanwaltschaft auf acht Jahre wegen gefährlicher Verletzung mit Todesfolge. Die Verteidigung hatte mit Jugendstrafen „weit unter sieben Jahren“ für Markus S. und dreieinhalb Jahren für Sebastian L. deutlich niedrigere Strafen verlangt.

Der Verteidiger des Hauptangeklagten Markus S. strebt eine Berufung an. Rechtsanwalt Maximilian Paul sagte dem Fernsehsender N24, mit dem Urteil sei man „nicht einverstanden“. Paul betonte: „Das halten wir für rechtlich falsch. Und Sie können davon ausgehen, dass wir unserem Mandanten dringend empfehlen werden, Revision einzulegen.“ Die Verteidigung habe ihr Hauptaugenmerk auf die Anwendung des Jugendstrafrechts gelegt. „Dieses Ziel haben wir erreicht.“

„Er hörte nicht weg“

Die beiden jungen Männer hatten vor fast genau einem Jahr, am 12. September 2009, eine Schülergruppe in der Münchner S-Bahn bedroht und angekündigt, sie auszurauben. Brunner beobachtete das, rief die Polizei und stellte sich schützend vor die Teenager. „Er hörte nicht weg“, sagte Baier in der Urteilsbegründung. "Die Angeklagten, die sich gemeinsam stark fühlten, fragten beleidigend, warum er, „der Spastiker", sich einmische.“

Am S-Bahnhof Solln stiegen die Täter mit der Schülergruppe und Brunner aus. Es folgte die tödliche Schlägerei, bei der Brunner den ersten Hieb gegen Markus S. austeilte - offenbar um einen aus seiner Sicht drohenden Angriff abzuwehren. Anschließend wurde er von den jungen Männern geschlagen, stolperte und fiel zu Boden. Hier versagten ihm laut Baier die Kräfte.

Brunner hatte krankes Herz

Sebastian L. habe nicht den Tod des 50-Jährigen gewollt, sondern ihn nur verletzen wollen. Deshalb habe er versucht, seinen Freund von dem 50-Jährigen wegzuziehen. „Ohne seine Billigung trat Markus S. Brunner wuchtig“, sagte Baier und begründete damit das mildere Urteil für den Jüngeren der beiden Angeklagten. Brunner starb nicht an den Verletzungen, sondern an einem Herzstillstand infolge der Schläge. Er hatte ein krankes Herz, ohne davon zu wissen.

Die Verteidiger hatten in ihren Plädoyers betont, dass der 50-jährige Brunner ohne den Herzfehler trotz seiner Verletzungen durch die Prügel heute noch leben würde. Dagegen argumentierte die Anklage, dass nur die Schläge und Tritte das Herz in solch einen Stress gebracht hätten, dass es aussetzte - nach ihrer Auffassung hätte er ohne den Angriff ein alter Mann werden können.

Neue Erkenntnisse in Prozess

Das Urteil fiel fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem tödlichen Prügelangriff. Der Angriff vom 12. September 2009 sah nicht zuletzt durch die Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft unmittelbar nach der Tat so aus wie das Aufeinandertreffen von Gut und Böse: Hier der 50-jährige Brunner, der sich mit großem Einsatz schützend vor Teenager stellte und für seine Zivilcourage posthum geehrt wurde.

Dort die zwei Angreifer, die ihr Leben mit Alkohol und Drogen verbrachten und von denen S. sich in Raptexten in Gewaltfantasien erging. Doch im Verlauf des Prozesses löste sich das scheinbar klare Gut-Böse-Schema immer mehr auf: So wurde klar, dass Brunner als Erster zugeschlagen hatte und an einem Herzfehler litt.

Brunners Vater Oskar, der als Nebenkläger aufgetreten war, erschien zur Urteilsverkündung nicht. Seit dem Tod seines Sohnes gehe es ihm psychisch und physisch schlecht, berichtete die Anwältin des 80-Jährigen.

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