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Sportler will Auszeit

Der steirische „Skyrunner“ Christian Stangl will sich nach dem Eingeständnis, den K2-Gipfelsieg mit einem falschen Foto vorgetäuscht zu haben, eine Auszeit nehmen. Absichtlichen Betrug bestreitet der 44-Jährige vehement.

„Ich war in einem tranceartigen Zustand und ich dachte, ich sei am höchsten Punkt des Berges“, erklärte Stangl am Dienstag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Nach sieben Versuchen seit 2008, den K2 zu bezwingen, sei die Kombination von körperlicher Existenzangst und der Furcht vor dem Versagen ausschlaggebend gewesen, dass sich sein Bewusstsein derart verändert habe, erklärte Stangl. Er hätte in den vergangenen Jahren viel mit Visualisierungsprozessen gearbeitet. „Ich habe mir Bilder aufgebaut, wo ich mich selbst bereits am Ziel gesehen habe“, sagte der Extremsportler.

„Nach und nach“ bewusst

Erst nachdem die Anspannung der Strapazen in Österreich nachgelassen haben, sei ihm „nach und nach bewusst geworden“, dass er doch nicht auf dem Gipfel des mit 8.611 Metern zweithöchsten Bergs gewesen sein konnte. Gespräche mit seiner Freundin und der Familie bestärkten den 44-Jährigen, es sich selbst einzugestehen und öffentlich zu machen. „Am meisten leid tut es mir für mich selbst. Es ist der größte Schaden für mich selbst“, betonte Stangl.

Stangl behauptet von sich selbst, zuvor auf allen angegebenen Gipfeln gestanden zu sein, da das andere Personen bezeugen könnten. „Ich habe nicht bewusst diesen Blödsinn gemacht, aber es ist schwer vorstellbar, wie sich das Bewusstsein in dieser Situation verändert“, sagte der 44-Jährige. Der Druck, den höchsten Punkt zu erreichen, sei allerdings nicht von Sponsoren gekommen, die er von dem Vorfall bereits in Kenntnis gesetzt habe und die noch immer hinter ihm stünden, sondern von ihm selbst. „Als Sportler will man Leistungen erreichen“, sagte er.

„Trümmerhaufen“ und „Fußfessel“

Der K2 habe ihn „gar nicht so interessiert“, meinte der Steirer. Aber um die „14 Seven Summits“, die sieben höchsten und die sieben zweithöchsten Berge aller Kontinente, als erster Mensch zu besteigen, „brauchte ich den Berg einfach“. Die Besteigung des K2 mache keine Freude, aus der Nähe sei er kein schöner Berg mehr, sondern nur noch ein „Trümmerhaufen“.

Wie sein Leben weitergehen soll, weiß Stangl noch nicht. „Ich werde mir eine Auszeit nehmen müssen, um zu erforschen, wo ich in der Welt stehe“, so der Steirer. Er sei im Zustand eines Burn-outs. „Wenn der Faktor Berg in meinem Leben wegfällt, bleibt fast nichts mehr“, erklärte Stangl. „Die Sinnfrage habe ich mir jetzt speziell gestellt.“ Ob er nochmals versucht, den K2 zu erklimmen, oder im November wie geplant in die Antarktis zum Mount Tyree aufbricht, stehe derzeit noch nicht fest.

In Zukunft müsse man mit einer „Fußfessel“ auf dem Gipfel stehen, um den Beweis liefern zu können. „Da verschieben sich die Prioritäten, und wie ich den Berg erreiche, steht nur noch am zweiten Platz“, sagte Stangl.

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