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Streit bis zur Trennung

Wie lange halten es Paare gemeinsam im Auto aus, bevor sie einen Streit vom Zaun brechen? Laut einer Umfrage unter 3.000 britischen Autofahrern gerade einmal 22 Minuten. Die Liste der Streitgründe ist lang - und die Konsequenzen mitunter heftig. Dabei gibt es ein paar einfache Regeln, die - sofern man sich daran hält - eine stress- und streitfreie Fahrt garantieren.

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Jeder kennt die Situation: Eine lange Autofahrt steht bevor, man ist gestresst, ein Wort führt zum anderen, und nach wenigen Minuten ist ein handfester Streit im Gange. Was folgt, ist eisiges Schweigen, das meist bis zum Ende der Fahrt anhält.

Frage nach dem Weg als Streitpunkt Nummer eins

Die Zeitung „Daily Mail“ zitiert aus einer Umfrage unter britischen Autofahrern, die der Autokonzern SEAT in Auftrag gab. Demnach bleiben die Streitereien während der Fahrt nicht immer ohne Folgen. Einer von zehn Autofahrern gab an, schon einmal einen so heftigen Streit im Auto erlebt zu haben, dass danach die Beziehung zu Ende war.

Der häufigste Auslöser für Streit hinter dem Steuer sind Unstimmigkeiten über den Weg, oder wenn man sich verfahren hat. 44 Prozent gaben an, dass dadurch schon einmal handfeste Diskussionen ausgelöst wurden. Gefolgt von zu schnellem Fahren, über das 34 Prozent der Befragten sich schon einmal in die Haare gerieten. Jeder Vierte ärgert sich, wenn der Fahrer zu knapp auf den Vordermann auffährt.

„Fahr nicht so langsam, brems früher, pass besser auf“: Egal wer am Steuer sitzt - ob Mann oder Frau - niemand will sich gerne kluge Ratschläge von der Person auf dem Beifahrersitz anhören. In 20 Prozent der Fälle führen auch gut gemeinte Tipps über kurz oder lang zu heftigen Reaktionen des Fahrers. Aber auch die Wahl der Musik oder die Einstellung der Klimaanlage bergen genügend Zündstoff.

Die häufigsten Streitpunkte

Prozent
Fragen nach dem Weg 44
Parkplatzsuche 37
Schnellfahren 34
Drängeln 24
Ratschläge vom Beifahrer 20
Musikauswahl 20
Heizung zu hoch eingestellt 15
Klimaanlage zu hoch eingestellt 14

Streit bis zum Rauswurf

Mitunter sind die Reaktionen auch so heftig wie im Fall eines deutschen Vaters, der im Juli diesen Jahres für Schlagzeilen sorgte, als er seinen 14-jährigen Sohn nach einem heftigen Streit einfach aus dem Auto warf und Gas gab. Als die Würzburger Polizei auf den Buben aufmerksam wurde, war der Vater bereits 180 Kilometer weit weg. Laut der britischen Umfrage fuhr zumindest jeder fünfte Autofahrer schon einmal wutentbrannt an den Straßenrand und weigerte sich, weiterzufahren, bevor der Streitpartner nicht ausgestiegen war.

Es geht aber auch umgekehrt. Etwa die gleiche Anzahl der Befragten gab an, schon einmal so wütend geworden zu sein, dass sie das Auto einfach abstellten und zu Fuß nach Hause gingen. Für viele Paare ist eine gemeinsame Autofahrt sogar so stressig, dass sie lieber ganz darauf verzichten (22 Prozent).

Konfliktthemen meiden und Pausen machen

Warum es gerade im Auto so oft zu Streit kommt, erklärt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger damit, dass es eine ungewohnte Situation ist, wenn die ganze Familie auf engsten Raum zusammen ist. Da kommt es unweigerlich dazu, dass auch unangenehme Beziehungs- oder Schulthemen zur Sprache kommen. „Die Sitzposition, durch die man sich nicht in die Augen sehen kann, in Kombination mit der Enge und der Situation, nicht fliehen zu können, verstärkt noch den Stress“, so Seidenberger gegenüber ORF.at.

Um eine gemeinsame Autofahrt so konfliktfrei wie möglich zu gestalten, rät die Psychologin dazu, heikle Themen erst gar nicht anzusprechen und die Musikauswahl schon vor Fahrtbeginn festlegen. Für eine harmonischere Stimmung sorgt auch, wenn die Wünsche nach einer Pause vom Fahrer berücksichtigt werden, im Gegenzug solle man auf Essen und Trinken im Auto verzichten. Während für die Kinder genug Beschäftigungsmaterial vorhanden sein sollte, rät Seidenberger von zu viel Ablenkung beim Fahrer ab. „Die Bedienung eines Handys oder Navigationsgeräts oder Telefongespräche mit dem Büro während des Fahrens führen schnell zu Streit.“

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