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„Absoluter“ Motorkonzern als Ziel

Ferdinand Piech gilt in der Autobranche als begnadeter Ingenieur und gewiefter Taktiker. Den Ruf als Konstrukteur erwarb er sich bei Audi in Ingolstadt, wo er Entwicklungen von der Aluminium-Karosserie in Leichtbauweise bis hin zum Audi-Quattro-Antrieb vorantrieb - auch wenn nicht alles technisch Machbare immer großen Verkaufserfolg zeitigte.

Sein Meisterstück als Taktiker lieferte Piech wiederum mit der De-facto-Übernahme von Porsche durch Volkswagen, die nächstes Jahr abgeschlossen sein soll. Damit hatte Piech den Versuch einer Übernahme von VW durch Porsche im letzten Jahr ins genaue Gegenteil verkehrt und mit dem damaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking einen der größten Gegenspieler aus dem Weg geräumt.

Macht Stück für Stück ausgeweitet

Der Enkel von Ferdinand Porsche kam damit seinem Ziel wieder ein Stück näher: Angetrieben wird der Patriarch von der Idee eines Megakonzerns, der vom Kleinwagen bis zum Schwerlaster alles anbietet, was auf den Straßen rollt. Piech weitete seine Macht in dem Konzern, den sein Großvater vor 73 Jahren gründete, systematisch aus. Durch die Verschmelzung von Porsche und VW ist Piech indirekt auch erheblich an VW beteiligt.

Der 73-jährige Milliardär steht im Zentrum eines enorm großen Konzerns, zu dem neben VW, Audi, Skoda, Seat und Porsche auch der familieneigene Autohandelskonzern in Salzburg gehören soll. Dazu kommt womöglich ein Lastwagenriese, den Piech aus dem Lkw-Geschäft von VW, MAN und der schwedischen Scania schmieden will. Mit der Megagruppe würde er sogar seinen Großvater, den „Käfer“-Erfinder Ferdinand Porsche, in den Schatten stellen.

Piech kann’s nicht lassen

Doch schwieriger als das schien es, die tief zerstrittenen Mitglieder der Familienclans Porsche und Piech zu einen, die sich bei allen Entscheidungen über das Familienvermögen einstimmige Beschlüsse auferlegt haben. Dabei hatte es zeitweise den Anschein, als wäre der gebürtige Wiener nach seinem altersbedingten Rückzug aus dem VW-Vorstand vor acht Jahren nur noch Pensionist.

Damals hatte er damit kokettiert, er würde mit seiner Frau Ursula um die Welt segeln und nur alle drei Monate zur Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg vorbeischauen. Doch das war dem umtriebigen Manager zu langweilig. Tatsächlich hielt er von seinem Wohnsitz in Salzburg aus immer alle Fäden bei Volkswagen und Porsche in seiner Hand - und das in einem Alter, in dem er sich mit seinem Vermögen zur Ruhe setzen könnte.

Außen kühl, innen warm?

Doch der Asket Piech, der bei Empfängen lieber zu Mineralwasser als zu Champagner greift, tickt anders. Seinem Bild in der Öffentlichkeit als dem eines eiskalten Managers widerspricht, dass er privat als warmherziger Familienmensch geschildert wird. Bei Auftritten bei Automessen hält der Meister von Zwei-Wort-Sätzen aber unliebsame Fragesteller mit einem schmallippigen Lächeln auf Distanz.

Widersacher kalt abserviert

Seine Widersacher schlug Piech stets aus dem Feld. Der frühere BMW-Chef Bernd Pischetsrieder musste bei VW abdanken, weil er sich nicht am ruppigen Führungsstil des Patriarchen orientierte. Dabei hatte dieser ihn selbst nach Wolfsburg geholt. Und Pischetsrieder hatte nach Meinung vieler Autoexperten von Piech ein nicht gerade gut durchdachtes Markenportfolio geerbt.

Der Manager wurde ersetzt durch Martin Winterkorn, den vormaligen Vorstandschef der erfolgreichen VW-Tochter Audi, der Piechs Technikbegeisterung teilt. Manager der Ingolstädter Tochter bilden bis heute einen Großteil von Piechs Machtbasis. Doch auch den ehemaligen Audi-Chef Franz-Josef Paefgen sägte Piech ab.

Der Krieg mit Wiedeking

Der Einzige, der ihm länger die Stirn bieten konnte, war Wiedeking. Der Porsche-Chef konnte auf Rückendeckung von Piechs Cousin, Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche, zählen. Doch mit dem zunehmenden Erfolg bei dem Stuttgarter Sportwagenhersteller wurde Wiedeking Piech zu mächtig. Deswegen gab er den Widersacher 2009 öffentlich zum Abschuss frei, indem er ihm vor Journalisten sein Vertrauen nur noch auf Zeit aussprach.

Unternehmerische Bilanz nicht frei von Schnitzern

Ferdinand Piech ist der Sohn von Ferdinand Porsches Tochter Louise und des Rechtsanwalts Anton Piech. Dieser war damals gemeinsam mit Ferdinand Porsche Hauptgeschäftsführer des Volkswagen-Werks in Wolfsburg. Bei Porsche startete der junge Piech 1963 seine Laufbahn als Ingenieur, wechselte 1972 zu Audi nach Ingolstadt und arbeitete sich bis zum Technikvorstand hoch.

1988 rückte er an die Spitze der VW-Tochter, die er zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten von BMW und Mercedes machte. 1993 wurde Piech VW-Chef und brachte den damals in tiefroten Zahlen steckenden Konzern wieder auf Trab. Allerdings ist auch Piechs Bilanz dort nicht frei von Schnitzern - vom Sparauto „Lupo“ bis zum Luxusmodell „Phaeton“, von der Entwicklung eigener Motoren bis zum missglückten Ankauf von Rolls-Royce. 2002 wechselte er an die Spitze des VW-Aufsichtsrats, wo er seither die Fäden zieht.

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