Kabul und USA in Kontakt mit Taliban-Verbündeten

Die afghanische Regierung führt nicht nur geheime Gespräche mit den Taliban, sondern steht nach Zeitungsinformationen gemeinsam mit Washington auch in Kontakt mit der Haqqani-Gruppe - einem der Hauptgegner der US-Streitkräfte in Afghanistan. Wie die britische Tageszeitung „Guardian“ heute unter Berufung auf pakistanische und arabische Vertreter berichtete, führte die Regierung des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai im Sommer direkte Gespräche mit ranghohen Vertretern der Taliban-Verbündeten, die vom afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet aus operieren.

Auch die USA hätten im vergangenen Jahr über einen westlichen Vermittler indirekten Kontakt aufgenommen. Allerdings seien die Initiativen noch sehr „zögerlich und vorsichtig“.

Haqqani-Netzwerk fürchtet Isolation

Das Haqqani-Netzwerk ist ein treuer Verbündeter der radikalislamischen Taliban. Es hat zudem enge Verbindungen zu Al-Kaida und anderen militanten Gruppen im Ausland. Die USA machen die Gruppierung für einige der blutigsten Anschläge in Afghanistan verantwortlich. Ein Großteil der jüngsten US-Drohnenangriffe galt der Haqqani-Führung, die ihre Hochburg im pakistanischen Grenzgebiet Nordwaziristan hat.

Nach den Informationen des „Guardian“ entschloss sich das Haqqani-Netzwerk zu den Kontakten, da es befürchtet, nach einem Friedensabkommen zwischen Karzai und den Taliban isoliert zu sein. Ihr Führer Sirajuddin Haqqani sei sich bewusst geworden, „dass er eines Tages ein Niemand sein könnte, wenn er sich an dem Prozess nicht beteiligt“, sagte ein mit den Gesprächen vertrauter Diplomat dem Blatt.