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„Es gibt viel zu schrauben“

Gernot Frank arbeitet seit drei Jahren im Wiener Fahrradfachgeschäft Citybiker. Drei Jahre, in denen sich in Sachen urbane Fahrradkultur viel getan hat. Im Gespräch mit ORF.at sprach er über schöne Stadträder, Single-Speed-Räder ohne Gangschaltung und Accessoires, die jedes Rad zum Individuum machen.

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ORF.at Hat sich in den letzten drei, vier Jahren etwas verändert? Haben die Menschen weniger Scheu, einen Schraubenschlüssel in die Hand zu nehmen und selbst bei ihren Fahrrädern etwas zu machen?

Gernot Frank: Es gibt auf jeden Fall sehr viele junge Leute, die an ihren Rädern herumschrauben. Das hat deutlich zugenommen, nicht zuletzt aufgrund des Single-Speed-Trends. Da werden alte Rennräder umgebaut, und es gibt viel zu schrauben, und es ist relativ simpel. Auch der finanzielle Aufwand ist sehr gering. Beigetragen haben sicher auch die Selbsthilfewerkstätten, die jetzt vermehrt aufkommen.

ORF.at: Geht es Ihren Kunden um Fahrradfahren als Lebensstil oder eher um ein cooles Design? Wer baut sich ein Single-Speed-Fahrrad zusammen?

Frank: Die Hauptgruppe sind Typen zwischen 20 und 35, denen geht es auf jeden Fall auch um Lifestyle. Irgendwie muss man sich in der Stadt ja fortbewege,, und so ein Single Speed ist ein individuelles Rad, das gut ausschaut, mit dem man gerne fährt.

Sonst hat es bisher fast nur Mountainbikes gegeben, die alle gleich und alle sportlich waren vom Design her, oder alte Citybikes. Diese ganzen schönen Stadträder gibt es ja erst seit kurzem.

ORF.at: In Holland hat es die ja immer gegeben. Warum nicht in Österreich?

Frank: Bei uns gibt es sie in einer breiten Auswahl erst seit kurzem, vor allem im unteren Preissegment, die trotzdem gut ausschauen und funktionieren. Bis dahin hat man die wirklich nur aus Holland mitnehmen können. Die waren für Wien nicht wirklich geeignet, weil sie nur einen oder drei Gänge hatten. Da wird in Österreich immer mehr Auswahl vorhanden sein in den nächsten Jahren.

ORF.at: Wie viel sind Ihre Kunden im Schnitt bereit, für ein Fahrrad auszugeben? Ist das gestiegen?

Frank: Wir hier verkaufen ja nicht jede Art von Rad, das ist deshalb schwer zu beantworten. Bei den Stadträdern, die es hier gibt, verkaufen wir die meisten zwischen 600 und 800 Euro. Für Sporträder wird mehr ausgegeben.

ORF.at: Treiben die Leute Aufwand mit Accessoires? Hier gibt es ja viel, etwa schöne Brooks-Sättel, Kapperl, Ledergriffe? Gibt es da eine starke Nachfrage?

Frank: Das wird auf jeden Fall nachgefragt. Da geht es vor allem um die Individualisierung des Fahrrads. Es sind hauptsächlich die Selbstbastler, die da zuschlagen. Außerdem kommen immer mehr Radfahrer drauf, dass man nach 20 Jahren auch einmal einen Sattel austauschen kann. Irgendwann braucht man etwas Neues. Wenn man viel mit dem Rad fährt, haben sich diese Ausgaben rasch amortisiert. Man hat etwas davon, wenn man mehr investiert.

ORF.at: Ist Radfahren für Sie persönlich mehr als nur Fortbewegung, ist es auch eine Philosophie?

Frank: Ich habe kein Auto. In Wien braucht man es nicht, es ist für mich das Fortbewegungsmittel schlechthin, zu jeder Jahreszeit. Wenn man ein schönes Fahrrad hat, das ist, wie wenn man früher einen aufgemotzten VW Polo hatte, nur halt für die Stadt angepasst. Fahrradfahren ist für mich auf jeden Fall ein Lebensstil, mit allem, was dazugehört.

Das Gespräch führte Simon Hadler, ORF.at

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