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350 Mio. Euro Schulden

Die finanziellen Schwierigkeiten bei A-Tec Industries haben sich schon länger angekündigt. Am Mittwoch gab der börsennotierte Mischkonzern den Beginn eines Insolvenzverfahrens bekannt. Begründet wurde dieses „Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung“ mit der sich zuspitzenden wirtschaftlichen Situation der australischen Tochter des Anlagenbauers Austrian Environment & Energy (AE&E).

Zwei missglückte Großaufträge hatten das Unternehmen in eine Schieflage gebracht. Konzernvorstand Mirko Kovats kündigte eine Klage gegen einen Kunden an, den er für den Weg in das Insolvenzverfahren mitverantwortlich macht. Seiner Darstellung nach hat die Australien-Tochter des chinesischen Staatsunternehmens CITIC den Auftrag über ein mittlerweile praktisch fertiggestelltes Kraftwerk „unzulässig“ und „mutwillig“ gekündigt. Gleichzeitig räumte er aber ein, dass dieser Auftrag bereits zu rund 90 Prozent bezahlt sei.

Insolvenzverfahren

Das Sanierungsverfahren unter Eigenverwaltung ist seit 1. Juli 2010 möglich. Dabei könnte Vorstandschef Mirko Kovats das Tagesgeschäft weiterführen, bei größeren Entscheidungen wie Verkäufen müsste er aber den Sanierungsverwalter um Zustimmung ersuchen. Voraussetzung ist die Zustimmung der Gläubiger zu einer Quote von mindestens 30 Prozent, zahlbar binnen zwei Jahren.

Zudem gab es Probleme bei der Refinanzierung einer Anleihe. Kovats war schon länger auf intensiver Geldsuche, um eine Unternehmensanleihe über 91 Millionen Euro zu refinanzieren. Er habe laut einem „Kurier“-Bericht vor wenigen Tagen 23, 24 Investoren angesprochen, mehr wollte er damals zur Refinanzierung nicht sagen. Eine Gewinnwarnung hatte nach Angaben aus Bankenkreisen die Suche nach Kapital erschwert. Die „Presse“ spekulierte sogar über eine „Staatshaftung als letzte Rettung“.

Die Aktie wurde nun vom Handel ausgesetzt. Bei der ersten Gläubigerversammlung der A-Tec-Kreditgeber soll am 5. November über den Geschäftsplan abgestimmt werden. Die Anmeldefrist für Ansprüche endet am 15. Dezember. Das Verfahren soll bis 20. Jänner 2011 abgeschlossen sein. Die A-Tec-Holding mit 25 Mitarbeitern hat 350 Millionen Euro Schulden, 300 Millionen davon gegenüber den Zeichnern dreier Anleihen. Dazu kommen Haftungszusagen von 350 bis 400 Millionen Euro, von denen man nicht weiß, wie viele schlagend werden. Der Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner sieht damit keine „Überschuldung“, sondern eine „Zahlungsfähigkeit“ des Unternehmens.

Töchter nicht betroffen

Hauptbetroffene dieses Verfahrens sind Zeichner von Anleihen und Wandelschuldverschreibungen. Kantner: „Das auslösende Problem war offenbar die Notwendigkeit, in wenigen Tagen 100 Millionen Euro zurückzuzahlen.“ Der jüngste Auftragseinbruch im Anlagenbau zeige allerdings, dass die Firma auch ein „mittelfristiges Problem hat, das zu einem Umsatzeinbruch führen könnte.“

Betroffen sei allerdings nur die Mutter A-Tec Industries, betonte Kovats am Mittwoch. Für die vier Tochterunternehmen „ist kein Verfahren eröffnet und ein solches auch nicht geplant“. Er zeigte sich optimistisch, die Anleihegläubiger des Konzerns von seinen Sanierungsplänen überzeugen zu können. Er will diesen die Mindestquote von 30 Prozent anbieten. „Sie können mir glauben, es freut mich nicht, hier sitzen und das ankündigen zu müssen, aber es muss sein“, sagte der 66-Prozent-Eigentümer des Mischkonzerns. „Unser wichtigstes Ziel ist es, das Unternehmen zu erhalten.“

Gewinnwarnung herausgegeben

Das Unternehmen gab Mitte Oktober die Warnung selbst heraus und kündigte für 2010 einen operativen Verlust (EBIT) von rund 27 Millionen Euro an. Bisher waren ein EBIT-Gewinn von rund 80 Millionen Euro versprochen worden. Als Hauptgrund wurden „Kostenüberschreitungen aus einem Kraftwerksprojekt der Division Anlagenbau in Australien“ angegeben. Der Mischkonzern machte zuletzt mit rund 12.000 Mitarbeitern weltweit drei Milliarden Euro Umsatz. In Österreich sind für das Unternehmen nur noch rund 2.000 Personen beschäftigt. Für die Problemsparte AE&E arbeiten in Wien und Graz rund 600 Beschäftigte.

Banken wollten nicht helfen

Nachdem das Wiener Anlegerpublikum im Sommer einem 150-Millionen-Euro-Bond wenig abgewinnen konnte, wollten auch die Banken nicht unterstützend eingreifen. Als Gründe wurden etwa genannt, dass die bis vor kurzem stärkste Division, der Anlagenbau (AE&E) massiv unter Druck stehe und kaum mehr „Innenfinanzierungskraft“ bestehe. Auch der Abgang zweier Finanzvorstände, A-Tec-CFO Christian Schrötter und AE&E-Finanzvorstand Jürgen Brandt erregte Misstrauen.

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