Themenüberblick

Weitere Strategie im Dezember

Der Rückzug der Europäischen Zentralbank (EZB) aus der Politik des billiges Geldes wird nach Einschätzung der österreichischen EBZ-Direktorin Gertrude Tumpel-Gugerell nicht zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führen.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

„Es gibt keinen Grund zur Sorge“, beruhigte das Direktoriumsmitglied der Notenbank am Montag im Interview mit Reuters Insider TV, Finanzmärkte im Allgemeinen und Kreditnehmer, die von den historisch niedrigen Leitzinsen profitieren, im Besonderen.

„Keine Verwerfungen“

Es gebe in der EZB-Spitze eine umfassende Diskussion darüber, wie es weitergehe und wie die Unterstützungsmaßnahmen zurückgefahren werden sollten. „Und es gibt keinen Anlass, davon auszugehen, dass es zu irgendwelchen Verwerfungen kommt“, sagte Tumpel-Gugerell. Es wird allgemein erwartet, dass sich die EZB im Dezember dazu äußert, in welchem Tempo sie die Rundumversorgung des Bankensystems mit Liquidität im nächsten Jahr auslaufen lässt.

Fronten im EZB-Rat

Tumpel-Gugerells Aussagen sind ein Versuch, die offensichtlich gewordene Uneinigkeit innerhalb des EZB-Rats, die mittlerweile auch für Unruhe an den Finanzmärkten sorgt, zu entschärfen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und der deutsche Bundesbank-Chef Axel Weber liefern einander seit Wochen einen ungewöhnlichen öffentlichen Schlagabtausch. Weber drängt in der Tradition der Bundesbank möglichst rasch auf einen harten geld- und finanzpolitischen Kurs umzuschwenken und macht sich für möglichst schnelle Zinserhöhungen stark.

Dies war zuletzt selbst dem stets besonnen auftretenden Trichet zu viel geworden. In einem Interview mit in der italienischen Zeitung „La Stampa“ rief Trichet seinen möglichen Nachfolger zur Ordnung: „Es gibt nur eine Einheitswährung, nur einen EZB-Rat, nur eine geldpolitische Entscheidung und nur einen EZB-Präsidenten, der auch der Sprecher des Rates ist!“

„Noch kein Boom“

Die EZB geht davon aus, dass die Konjunktur in der Euro-Zone 2010 um rund 1,6 Prozent zulegt. „Die Erholung geht gut voran. Es ist aber noch kein neuer Boom“, sagte Tumpel-Gugerell. Das Verbrauchervertrauen steige, die Exporte zögen an, die Firmen investierten mehr, und die Erholung stütze sich stärker auf die Binnennachfrage. „Ich glaube, dass ist das wichtigste“, betonte die Österreicherin.

Während die EZB abwägt, wann und wie sie ihre lockere Geldpolitik wieder zurückfährt, haben Vertreter der US-Notenbank (Fed) signalisiert, dass sie weitere Finanzspritzen zur Ankurbelung der Konjunktur plant. Tumpel-Gugerell verwies darauf, dass verschiedene Regionen in der Welt in verschiedenen Phasen der Konjunkturerholung steckten. Deshalb müssten sich die einzelnen Entscheidungsträger auch ihre eigenen Ansichten bilden. Allerdings sei der regelmäßige Austausch darüber „sehr, sehr wichtig“, sagte die EZB-Bankerin.

Weber warnt erneut

Weber, der als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Trichets gilt, plädierte dagegen am Montag erneut für rasche Zinserhöhungen: „Die Zinsen dürfen nicht zu lange zu niedrig bleiben.“

Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt seit Mai 2009 auf einem Prozent und damit so niedrig wie nie zuvor. Der EZB-Rat entscheidet kommende Woche das nächste Mal über den Schlüsselzins für die Euro-Zone. Experten erwarten unisono, dass die Notenbanker frühestens im Herbst 2011 das erste Mal nach der Krise wieder an der Zinsschraube drehen.

Die EZB hatte den Schlüsselzins für die Geldversorgung der Banken in der Krise auf das aktuelle Niveau gesenkt, um die Wirtschaft auch in den Turbulenzen mit Geld zu versorgen. Sie hatte zudem die Liquiditätsversorgung des Finanzsystems massiv ausgeweitet.

Links: