Themenüberblick

Alte Wissenschaft, neu entdeckt

Geo-Engineering ist in der aktuellen Debatte über Klimaerwärmung in aller Munde. Die Wissenschaft, die sich heute mit den Folgen der globalen Erderwärmung beschäftigt, hat ihre Ursprünge in der militärischen Kriegsführung.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Bereits in den späten 40er Jahren begannen die USA und die damalige Sowjetunion, an Techniken zu feilen, um das Wetter zu beeinflussen. Dadurch sollte im Fall eines Krieges der entscheidenden Vorteil erzielt werden. Vornehmlich ging es darum, Nebel oder große Regenmengen zu produzieren.

Doch als Militärexperten anfingen, mit nuklearen Sprengkörpern zu experimentieren, sah sich die US-Regierung gezwungen einzuschreiten. 1976 wurden Umweltveränderungen für den militärischen Einsatz eingeschränkt. Nach einer Reihe von Misserfolgen schlief Ende der 70er Jahre die Forschungsarbeit gänzlich ein.

Sonnenreflexion als schnelle Lösung

Doch für die Klimaforschung blieb das Thema weiter interessant. Bereits 1965, als US-Präsident Lyndon B. Johnson sein erstes „Briefing“ über die Gefahren einer Klimaerwärmung erhielt, sei Geo-Engineering als Gegenmaßnahme angepriesen worden, wie das Magazin „Foreign Affairs“ berichtete. Doch heute wird nicht mehr an einzelnen Wolken geforscht, sondern am globalen Klima.

Das Klima wird zum großen Teil davon bestimmt, wie viel Sonnenenergie absorbiert und reflektiert wird. Würde man die Reflexion nur um einen Prozentpunkt erhöhen, würde das die Erderwärmung durch die Verdopplung der Treibhausgase in den nächsten Jahren aufwiegen.

Lernen von Vulkanausbrüchen

Das bestätigen Beobachtungen aus der Natur. Als der Mount Pinatubo auf den Philippinen 1991 ausbrach, schleuderte er so große Mengen an Asche in die Atmosphäre, dass es auf der Erde ein Jahr lang um 0,5 Grad kälter wurde. Wissenschaftler versuchen nun anhand genauer Studien von Vulkanausbrüchen, dieses Phänomen künstlich nachzustellen. Dazu sollen reflektierende Teilchen in die Atmosphäre gebracht werden, die die Sonneneinstrahlung auf die Erde vermindern sollen.

China als Regengott

Doch der Glaube an die Macht der Technik nimmt teilweise auch groteske Züge an. So wurde etwa die schwere Dürre in China im Februar des vergangenen Jahres nicht mit langfristigen Infrastrukturmaßnahmen oder Bewässerungslösungen angegangen, sondern indem Wolken durch Chemikalienbeschuss zum Abregnen gebracht wurden, wie das Nachrichtenportal News.de berichtete.

Während der Olympischen Spiele wurden mit Hagelflugzeugen Silberjodid und Trockeneis (gefrorenes Kohlendioxid) in die Wolken gebracht, um Regen zu erzeugen. Der sollte einerseits die schlechte Luft „reinwaschen“ und andererseits die Spielstätten trocken halten. In beiden Fällen waren die Erfolge mäßig. Zwar blieben die Eröffnungsfeiern vom Regen verschont, doch langfristig stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, die Folgen von zu hoher CO2-Belastung in der Atmosphäre durch noch mehr CO2 zu bekämpfen.

Warnung aus Österreich

Mahnende Worte kommen dabei auch aus Österreich. Jason Blackstock vom Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg (Niederösterreich) forderte Anfang des Jahres einen globalen Konsens zu Geo-Engineering-Projekten. Vor allem vor Alleingänge etwa von einzelnen Staaten warnte Blackstock. Vor allem die zuletzt stark diskutierte Methode, Schwefel in die Atmosphäre zu bringen, um die UV-Strahlung zu minimieren, kritisiert der Wissenschaftler.

Schwefel baue hochliegendes Ozon ab, wodurch mehr schädliche UV-Strahlung die Erde erreicht, schrieb Blackstock im Bericht „Climate Engineering Responses to Climate Emergencies“. Einen baldigen Einsatz dieser Methode bezeichnete er als „außerordentlich riskant“.

Links: