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„Die schaffen das auch ohne mich“

Der frühere Grünen-Bundessprecher Alexander Van der Bellen hat am Samstag die strategische Bedeutung der rot-grünen Koalition in Wien betont. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und die Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou hätten damit eine Option eröffnet, deren langfristige Bedeutung auch für den Bund „gar nicht überschätzt werden kann“, sagte Van der Bellen im Ö1-„Journal zu Gast“.

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Häupl habe die Gunst der Stunde erkannt, dafür gebühre ihm Respekt. Viele - auch in der SPÖ - hätten ihm das nicht zugetraut, „ich schon“, sagte Van der Bellen. Ebenso wie seine Nachfolgerin als Bundessprecherin, Eva Glawischnig, ist auch Van der Bellen vom Erfolg des Projekts überzeugt. „Das wird nicht scheitern und das darf nicht scheitern.“ Er sei sich sicher, dass sich auch die SPÖ der strategischen Bedeutung von Rot-Grün bewusst ist - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Hoffen auf Verständnis der Wähler

Dass er nun entgegen ursprünglicher Ankündigungen doch nicht in den Wiener Gemeinderat wechseln, sondern im Nationalrat bleiben wird, verteidigte Van der Bellen neuerlich. „Die Wiener Grünen brauchen keinen Übervater zum Gelingen des Projekts.“ Sie würden jetzt ins kalte Wasser springen und müssten schwimmen - „die schaffen das auch ohne mich“.

Den Vorwurf der Wählertäuschung wies Van der Bellen neuerlich zurück und hoffte auf Verständnis seiner Wählerschaft. Die allermeisten der knapp 12.000 Menschen, die ihm eine Vorzugsstimme gegeben hätten, hätten sich gewünscht, dass er eine Rolle spiele, so Van der Bellen. Und das werde er nun als Sonderbeauftragter der Stadt für Universitäts- und Wissenschaftsangelegenheiten im Rathaus tun. Damit könne er das Projekt Rot-Grün unterstützen und auch als Lobbyist im Nationalrat seine Stimme dafür erheben.

Van der Bellen hatte bei der Wahl am 10. Oktober 11.952 Wähler für sich eingenommen und gelangte damit vom eigentlich unwählbaren Platz 29 der Grünen-Landesliste auf Platz eins - eine Novität bei Wiener Wahlen - mehr dazu in wien.ORF.at.

Kritik von FPÖ und BZÖ

Für FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl ist klar, dass Rot-Grün genauso scheitern werde wie Van der Bellen selbst. Zum Stimmenfang sei Van der Bellen den Stadtgrünen gut genug gewesen, jetzt seien sie froh darüber, ihn in die Bedeutungslosigkeit entsorgt zu haben und ließen ihn selbst darüber auch noch jubeln, kritisierte Kickl.

BZÖ-Generalsekretär Christian Ebner warf Van der Bellen hingegen vor, seine Wähler „belogen und getäuscht“ zu haben. Statt der Einhaltung seines Antrittsversprechens und des Wechsels in den Gemeinderat sei der grüne Altpolitiker jetzt ein zahnloser Lobbyist, so Ebner in einer Aussendung.

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