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Die Dekonstruktion der Kekse

So ratlos wie vor der einen oder anderen Möbelanleitung fühlt man sich beim Anblick der Rezepte im schwedischen Backbuch „Hembakat är Bäst“. Der Vergleich liegt nahe, ist das Fotobuch doch ein Auftragswerk von Ikea und kommt ohne Wörter und Zahlen aus. Umso mehr sprechen die Fotos des Designfotografen Carl Kleiner für sich.

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Die gute Nachricht: Das Buch ist gratis. Die schlechte: Es ist nur in Schweden erhältlich. „Wir wollten eine Verbindung zwischen Küchenutensilien und Backen, dem Besten, was man in einer Küche machen kann, herstellen“, erklärt die Agentur Forsman & Bodenfors, die von Ikea mit der Werbekampagne beauftragt wurde, auf ihrer Homepage. Und weil ein Großteil der herkömmlichen Lebensmittel- und Kochbuchfotografien ziemlich ähnlich und, in den Augen der Agentur, langweilig ist, entstand die Idee zu einem vollkommen anderen Kochbuch.

Beispiel aus Kochbuch

IKEA/Joel Iden

Aus den Backzutaten wird ein kleines Kunstwerk.

Nichts für pingelige Pedanten

Die Zutaten - egal ob Mehl, Butter, Orangenschale oder Germ - wurden auf einfarbigem Hintergrund ausgebreitet und mit Liebe zum Detail und exakter geometrischer Anordnung präzise ausgerichtet. Für pedantische Bäcker sind die Rezepte vermutlich die große Katastrophe: Wie viele Eier und Zitronen verwendet wurden, lässt sich ja noch ziemlich einfach abzählen, schwierig wird es dann schon bei Zutaten wie Mehl und Butter und - ganz kompliziert - bei flüssigen Ingredienzien.

Wer ohnehin intuitiv an die Sache herangeht, hat dafür umso mehr Freude mit den bunten Bildern, die laut Forsman & Bodenfors von japanischem Minimalismus und High Fashion inspiriert sind. Food-Stylistin Evelina Bratell ordnete die Lebensmittel akribisch und gleichzeitig überaus geschmackvoll an. Durch den an den Tag gelegten Perfektionismus und die gelungene Farbkomposition erinnern die Bilder an die Ästhetik von 50er-Jahre-Bäckereien aus US-amerikanischen Fernsehserien und der rosarot-helblauen Nostalgie-Werbewelt.

Beispiel aus Kochbuch

IKEA/Joel Iden

Auch das fertige Backwerk wurde liebevoll angeordnet.

Hausgemachter Trainingsplan

Doch altmodisch ist die Selberbacken-Kampagne deshalb noch lange nicht. Wer sich nach dem Konsum der kalorienreichen Kekse und Kuchen um seine Figur sorgt, kann sich von der dazugehörigen iPhone-App Kondis ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm berechnen lassen, mit denen die überflüssigen Kilos purzeln. Eine kleine Zimtschnecke („Kanelbulle“) kann man nach dem Verzehr durch rund 3,5 Kilometer laufen oder vier Kilometer Rad fahren wieder neutralisieren.

IKEA-Kochbuch

IKEA/Joel Iden

Das Fotobackbuch ist bisher nur in den schwedischen Ikea-Filialen erhältlich.

Während des Trainings feuert die Software den Keksbäcker zum Durchhalten an, gibt Auskunft über bereits verarbeitete Kalorien und zeigt die noch zu bewältigende Strecke an. In einer Archivfunktion kann man im Nachhinein problemlos seine absolvierten Trainingseinheiten nach Kekssorte geordnet abrufen und die dazugehörigen Rezepte jederzeit direkt vom Handy nachbacken.

Essen ohne schlechtes Gewissen

Die App ist „für Menschen, die backen und essen wollen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben“, erklärte der Art Director von Forsman & Bodenfors gegenüber dem Onlineportal creativity.com, das die Anwendung zur Empfehlung des Monats Oktober erklärte und das Kochbuch unter die Top Fünf der kreativsten Ideen wählte.

Egal ob Erdbeerkuchen, Schokokeks oder Lebkuchenmänner: Das Backbuch lässt dem Betrachter das Wasser im Munde zusammenfließen. Auch wenn die Erklärung fehlt, so richtig zählt beim Backen ja hauptsächlich der Wille. Und der wird mit „Hembakat är Bäst“ auf jeden Fall auch bei einer niedrigeren Küchenaffinität geweckt.

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