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Die kühne Poetik der Technik

Jean Nouvel gilt nicht nur als der zurzeit berühmteste französische Architekt. Er liebt und kultiviert auch seinen Ruf als Enfant terrible der Szene. Einen Namen hat sich Nouvel durch große Projekte gemacht, in denen der Einsatz von Baumaterialien und die Technik bis zum Äußersten ausgereizt wurden.

Oft erschienen seine Gebäude wie Realisationen ästhetisch-technoider Wunschphantasmen. Nicht selten waren seine Entwürfe so kühn, dass sie keiner bauen wollte - oder konnte. Mit zahlreichen Wettbewerbsteilnahmen hat Nouvel sein Planungsbüro immer wieder nahe an den Rand des Ruins geführt.

Nouvel spekulierte immer wieder mit dem Unrealisierbaren. Oft erschien seine Teilnahme an Architekturwettbewerben eher als provokativer Akt denn als konkrete Absicht, ein Projekt an einem bestimmten Ort zu realisieren. So ließ Nouvel etwa eine Konzerthalle just über einer Straßenkreuzung „landen“.

Institut du Monde Arabe

Dennoch: Seit den 90er Jahren ist Europa nahezu überschwemmt mit Nouvel-Bauten. Ausgelöst wurde der Hype um den französischen Architekten sicher mit dem 1987 eröffneten Institut du Monde Arabe, das Nouvel in Paris baute. Mit diesem Gebäude aus Glas und Stahl hat Nouvel sich und dem damaligen Staatschef Francois Mitterrand gegenüber der Kathedrale Notre Dame ein glitzerndes Denkmal gesetzt.

Seit den 60er Jahren arbeitet der 1945 in einem Dorf im Südwesten Frankreichs geborene Nouvel in Paris. 1972 ging er mit einem Diplom von der Ecole des Beaux-Arts in Paris ab. In den letzten zehn Jahren wurde Nouvel überhäuft mit Preisen, etwa mit dem Goldenen Löwen der Architekturbiennale von Venedig.

Neben dem Institut der Arabischen Welt zählen der Agbar-Turm in Barcelona, das Kulturzentrum von Luzern, die Galleries Lafayette in Berlin, die Oper von Lyon und das Kongresszentrum im französischen Tours zu den aufsehenerregenden Werken Nouvels. In Wien zeichnet er bereits für den westlichen der vier Gasometer sowie dem 2010 eröffneten Sofitel-Tower auch zentral Anteil am Stadtbild.

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