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Fische am Plafond, Pflanzen an der Wand

Gemäß seiner Devise des kontextuellen Bauens beschäftigt sich der französische Stararchitekt Jean Nouvel bei seinen Kreationen eingehend mit der sie umgebenden Struktur. Im Falle seines neuesten Bauwerks in Wien wird dieses Konzept klar deutlich: Von jeder Blickachse tut sich ein neues Bild auf.

Das Gebäude neigt sich einerseits dem in der Taborstraße gegenüberliegenden Media-Tower von Hans Hollein entgegen. Die Beiden bilden so ein Portal zum zweiten Bezirk und sind Teil der neuen Silhouette - die mit der Leopoldstadt einen der traditionsreichen Bezirke Wiens quasi hinter sich einschließt.

Blick auf Nouvel-Tower bei Nacht

ORF.at/Roland Winkler

Der zweite Bezirk versteckt sich zunehmend hinter einer modernen Skyline.

Vom Donaukanal tagsüber nicht auf den ersten Blick ersichtlich, wird bei Dunkelheit das Zusammenspiel mit der Umgebung besonders klar: Von den bunten Graffiti am Kanalradweg über die beleuchtete Schwedenbrücke zieht sich ein ständiger Wechsel aus Farbe, Licht, Beton und Glas bis in das oberste Geschoß des Turms.

Ein Vorbau auf der Kanalseite kommuniziert in der Höhe mit den angrenzenden Altbauten und endet dort, wo der wohl spektakulärste Teil des Hauses beginnt: Die erste von zwei leuchtend farbigen Decken der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist im vierten Stock. Riesengoldfische schwimmen über den Plafond, der durch geschickt verteilte Videoblasen lebendig wirkt.

„Grüne Wand“ statt grauer Fassade

Nouvels Gestaltungswut macht auch vorm Nachbargebäude nicht halt: Knapp zwei Meter vor der Ostfassade erhebt sich eine 600 Quadratmeter große begrünte Fassade. Die „Grüne Wand“ ist ein vertikales Kunstwerk aus Pflanzen des Franzosen Patrick Blanc. Auf einer frei stehenden Stahlkonstruktion im Hof werden rund 20.000 unterschiedliche Pflanzen beheizt, mit einem Dauerbewässerungssystem aus einem Brunnen versorgt und bilden einen vertikalen Garten aus Philodendron, Hosta, Spirea und anderen Gewächsen.

Designcenter im Nouvel-Tower

ORF.at/Roland Winkler

Scheinwerfer sorgen für Sonnenlichteffekte auf der begrünten Fassade.

Die „Grüne Wand“ ist ein geschickter Schachzug Nouvels, gelingt es so immerhin, das Konzept der Rundherumverglasung durchzuziehen ohne auf einer Seite wegen der direkt angrenzenden unansehnlichen Nachbarhausfassade Abstriche machen zu müssen.

Luxushotel trifft Designkaufhaus

Die Innenfläche teilen sich künftig der französische Hotelkonzern Accor, der mit seiner Fünf-Sterne-Luxusmarke Sofitel einziehen wird, und die deutsche Designcenterkette stilwerk. Das Sofitel Vienna Stephansdom mit seinen 182 Zimmern (darunter einige Suiten) nutzt dabei die oberen Etagen - vom vierten bis zum 18. Stock, wo im Nobelrestaurant Le Loft der Elsässer Drei-Hauben-Koch Antoine Westermann österreichische und französische Küche verbinden soll. Eröffnet wird das Hotel, aus dessen Zimmer man Ausblick auf Stephansdom, Riesenrad oder Wienerwald hat, erst Mitte Dezember.

Bild aus Designcenter bei Fertigstellung

ORF.at/Roland Winkler

Kurz vor der Eröffnung wurde im stilwerk noch unter Hochdruck gearbeitet.

Schon seit Freitag sind jedoch die unteren vier Stockwerke in Betrieb, ab Samstag dann auch öffentlich zugänglich. Das Designkaufhaus stilwerk, bisher in Hamburg, Berlin und Düsseldorf vertreten, eröffnete im Nouvel-Tower seine erste Dependence in Österreich. Zu kaufen und bestaunen gibt es auf vier Stockwerken ein hochklassiges und wohl ebenso -preisiges Sortiment aus den Bereichen Einrichtung und Wohndesign.

Auf 6.000 Quadratmetern finden sich Geschäfte mit bekannten und hierzulande noch unbekannteren Marken. Das Sortiment reicht von Möbeln, Wohnaccessoires, Büro- und Objekteinrichtung, Geschenkartikeln, Stoffen und Bodenbelägen über Unterhaltungselektronik bis zu Mode. Für die Speisen wird dabei keine unbekannte Wienerin zuständig sein: Haya Molcho, bekannt durch ihre Lokale Neni am Naschmarkt und den Tel Aviv Beach am Donaukanal, wird mit ihrem Lokalableger Neni im Zweiten ins stilwerk einziehen.

Sophia Felbermair, ORF.at

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