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Anfragen an US-Diplomaten in aller Welt

Hinter der umstrittenen „Spionage“-Aufforderung an US-Diplomaten soll einem Medienbericht zufolge die CIA stehen. Der US-Geheimdienst habe eine entsprechende „Informationswunschliste“ ausgearbeitet und diese dann an das US-Außenministerium übergeben, berichtete die britische Zeitung „The Guardian“ am Donnerstag.

Das Ministerium habe dann entsprechende Anfragen an seine Diplomaten in aller Welt geschickt. Diese wurden nun durch die Enthüllungen der Internetplattform WikiLeaks bekannt.

Kreditkarteninfo, Passwörter, Kundennummern

Laut den von WikiLeaks veröffentlichten Depeschen wurden die Mitarbeiter des US-Außenministeriums aufgefordert, Informationen über hochrangige Vertreter zahlreicher Länder zu sammeln. Die Anweisungen wurden demnach an Botschaften in Afrika, im Nahen Osten, in Osteuropa, in Lateinamerika sowie an die US-Vertretung bei den Vereinten Nationen (UNO) gesandt.

Im Namen von US-Außenministerin Hillary Clinton wurden laut den WikiLeaks-Dokumenten unter anderem im vergangenen Jahr die US-Diplomaten bei den Vereinten Nationen aufgefordert, technische Informationen über die Kommunikationssysteme von hochrangigen UNO-Vertretern zu sammeln, darunter auch Passwörter für Verschlüsselungen. Auch über UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sollten Informationen gesammelt werden. Zudem sollten die US-Diplomaten demnach von Diplomaten anderer Länder bei der UNO persönliche Kreditkarteninformationen, Vielflieger-Kundennummern sowie E-Mail-und Telefonverzeichnisse erforschen.

Dokumente zu Mexiko und Afghanistan veröffentlicht

Unterdessen werden immer neue Details aus den geheimen Dokumenten bekannt: So haben die mexikanischen Behörden offenbar für einige Teile des Landes eine Kontrollübernahme durch Drogenhändler befürchtet. Das geht aus einer auf WikiLeaks veröffentlichten Mitteilung der US-Botschaft in Mexiko-Stadt hervor, die im Oktober 2009 verschickt wurde. In dem Dokument heißt es, der mexikanische Staatssekretär für Inneres, Geronimo Gutierrez Fernandez, habe ernsthafte Sorge über einen Verlust bestimmter Regionen zum Ausdruck gebracht.

Auch Informationen über das Ausmaß von Korruption in Afghanistan wurden bekannt. So kabelte die US-Botschaft im vergangenen Jänner, lediglich ein Minister in Kabul stehe nicht unter Verdacht von Korruption und Freunderlwirtschaft. Das geht aus US-Dokumenten hervor, die die Internetplattform WikiLeaks nach Angaben der „New York Times“ veröffentlicht. Schwere Bedenken wurden erneut gegen Staatspräsident Hamid Karzai laut. Karzai selbst habe etwa fünf Grenzpolizisten begnadigt, die mit über 100 Kilogramm Heroin erwischt worden seien.

Amazon: WikiLeaks verstieß gegen Nutzungsregeln

Der Onlineeinzelhändler Amazon bestritt unterdessen, WikiLeaks wegen politischen Drucks von seinen Servern verjagt zu haben. WikiLeaks habe gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen, teilte Amazon in der Nacht auf Freitag in einem Blogbeitrag mit.

So sähen die Geschäftsbedingungen von Amazons Webdienstleistungen vor, dass der Kunde die Rechte an den Inhalten halte und deren Einsatz niemandem Schaden zufüge. „Es ist klar, dass WikiLeaks nicht über die Rechte an den vertraulichen Dokumenten verfügt“, argumentierte Amazon. Auch könne bei der großen Zahl von 250.000 Depeschen nicht gesichert sein, dass durch deren Veröffentlichung nicht Unschuldige wie etwa Menschenrechtler in Gefahr gerieten.

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