Deutschland plant Abwehrzentrum für Cyberangriffe

Die deutsche Regierung rüstet sich gegen die verstärkt auftretenden Angriffe auf Computer deutscher Behörden. „Es ist in der Planung, dass wir 2011 ein sogenanntes Nationales Cyberabwehrzentrum schaffen möchten“, so ein Sprecher des deutschen Bundesinnenministers Thomas de Maiziere gestern in Berlin.

Das Zentrum soll beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie angesiedelt werden und mit dem deutschen Verfassungsschutz, dem Auslandsgeheimdienst BND, der Katastrophenhilfe, anderen Behörden sowie der Wirtschaft und Internetanbietern kooperieren. „Es entsteht keine neue Behörde“, so der Sprecher. Es gehe darum, vorhandenes Knowhow im Bereich der Cyberabwehr zu bündeln.

Zwischen Jänner und September registrierte das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz 1.600 Angriffe - die meisten davon laut Angaben aus China. Im gesamten Jahr 2009 gab es 900 Angriffe.

Auch andere Länder rüsten auf

Auch andere Länder wollen digital aufrüsten, sagten Vertreter westlicher Geheimdienste gestern gegenüber der Nachrichtenagentur dapd in Berlin und Washington. „Wir sind noch längst nicht gegen Angriffe aus der Cyberwelt gerüstet“, so ein Angehöriger des US-Geheimdienstes CIA. Die chinesische Armee sei für das „virtuelle Schlachtfeld des 21. Jahrhunderts“ schon hoch gerüstet.

Die USA hatten im vergangenen Mai ein neues „Cyber-Command“ gegründet, das für die „vierte Dimension der Kriegsführung“ zuständig ist. Auch Großbritannien rüstet nach Darstellung seines Geheimdienstes MI 6 „zunehmend digital auf“. Auch in der NATO wurde der Cyber-War vor kurzem in das strategische Konzept der gemeinsamen Verteidigung aufgenommen. Für Attacken auf Computernetze etwa der Energieversorgung eines der 28 NATO-Mitglieder soll der „Bündnisfall“ derzeit aber nicht gelten.