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Alte Wunden drohen wieder aufzureißen

Die Republik Sudan ist mit einer Fläche von 2,5 Millionen Quadratkilometern der größte Staat Afrikas. 21 Jahre lang herrschte in dem Land Bürgerkrieg, der erst 2005 in einen Friedensvertrag mündete. Darin war auch eine Abstimmung über die Abspaltung des Südens vorgesehen.

Knapp vier Millionen Menschen stimmten Mitte Jänner über die Unabhängigkeit des Südsudan ab. Mehr als 98 Prozent sprachen sich dafür aus. Im Juli soll der 193. Staat der Welt offiziell gegründet werden. Die Abstimmung war der Schlusspunkt eines 2005 von der Zentralregierung in Khartum und südsudanesischen Rebellen unterzeichneten Friedensabkommens, das den mehr als 20-jährigen Bürgerkrieg zwischen dem christlich dominierten Süden und dem muslimisch geprägten Norden endgültig beenden soll.

Über 100 verschiedene Ethnien

Im Sudan leben über 100 verschiedene Ethnien, ebenso groß ist die sprachliche Vielfalt. Über 50 Prozent der Bevölkerung sind Schwarzafrikaner, rund 36 Prozent arabischstämmig. Die Mehrheit spricht jedoch Arabisch. Rund 65 bis 70 Prozent der Sudanesen sind sunnitische Muslime, fünf bis zehn Prozent Christen, der Rest verteilt sich auf indigene Religionen. Der Islam ist Staatsreligion. Die Religion ist - neben der Ressourcenverteilung - zugleich ein Hauptgrund für die häufigen kriegerischen Konflikte im Land.

Tiefe Kluft zwischen Nord und Süd

1983 war die landesweite Einführung der islamischen Rechtsprechung, der Scharia, Anlass für einen Bürgerkrieg, der erst mit dem Friedensabkommen vom Jänner 2005 beendet wurde. Die Sudanesische Volksbefreiungsarmee unter ihrem damaligen Anführer John Garang („Dr. John“) kämpfte gegen die Zentralregierung in der Hauptstadt Khartum und für eine Autonomie des Südens.

In über 20 Bürgerkriegsjahren kamen im Sudan insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen ums Leben, vier Millionen wurden vertrieben. In der Friedenserklärung war deshalb neben einer Einheitsregierung und Wahlen auch ein Referendum über den Verbleib des Südens bei dem Land ein zentraler Punkt.

Vielschichtige Konflikte

Religiöse und ethnische Differenzen überlagern dabei häufig den zentralen Konflikt - den Streit um Ressourcen. Denn der Süden ist reich an Rohstoffvorkommen wie Erdöl und Erdgas. Bis zu drei Milliarden Barrel Öl werden dabei gefördert, das meiste davon im Grenzgebiet zum Norden. Seit dem Friedensabkommen konnte man sich deshalb auf keine Grenzlinie einigen, und es ist fraglich, ob das Referendum dahingehend eine Lösung bieten kann. Sollte es erneut zu Kämpfen kommen, könnte das auch den Konflikt in der zweiten Krisenregion des Landes erneut anfachen: Darfur.

Angst vor Aufflackern des Darfur-Konflikts

Dort tobten in den vergangenen sechs Jahren heftige Kämpfe zwischen den Rebellengruppen Sudanesische Befreiungsbewegung (SLM) und Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung (JEM) und den arabischen Dschandschawid-Milizen („die Berittenen“) mit Zehntausenden Opfern. Nun steht zu befürchten, dass die Rebellen ihren Forderungen wieder neuen Nachdruck verleihen könnten. Zu befürchten steht, dass der Norden die gefürchtete Lord’s Resistance Army (LRA) wie in der Vergangenheit für seine Zwecke einspannen und gegen den Süden in Stellung bringen könnte. Damit droht auch das Nachbarland Uganda in den Konflikt hineingezogen zu werden, das seit Jahren gegen die LRA kämpft.

Doch überall, wo es um Erdöl geht, geht es im Hintergrund auch um die Interessen der Abnehmerländer. Und hier stehen einander stellvertretend China für den Norden des Landes und die USA und Europa für den Süden gegenüber.

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