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Britische Erfolgsgeschichte mit Umwegen

Es war die wohl wichtigste Ankündigung der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas: Die nächste Version von Microsoft Windows wird auch auf Mobilprozessoren mit ARM-Technologie laufen. Für den britischen Chipkonzern bedeutet das einen gewaltigen Schub.

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Wie die Finanzagentur Bloomberg am Freitag von der CES berichtete, erwartet ARM-Chef Warren East, dass sein Unternehmen in rund zwei Jahren Lizenzeinnahmen von Microsoft für die Anpassung seiner Chipdesigns an das neue Windows erhalten wird.

Bereits im November vergangenen Jahres sagte Hermann Hauser, einer der führenden Risikokapitalgeber Großbritanniens, dass ARM für den Erfolg auf dem Smartphone-Markt besser aufgestellt sei als der US-Gigant Intel. Intel könne zwar einen Prozessor bauen, der ähnlich sparsam sei wie die ARM-Modelle, allerdings setze der Weltmarktführer auf das falsche Geschäftsmodell. Anders als die PC-Hersteller würden Mobiltelefonproduzenten nämlich keine fertigen Prozessoren ab Fabrik kaufen, sondern nur die Schaltkreise lizenzieren, diese nach eigenen Bedürfnissen anpassen und dort produzieren lassen, wo es ihnen genehm ist.

Durchbruch mit BBC-Computer

So funktioniert auch das Geschäftsmodell von ARM - und es ist zunehmend erfolgreich, denn den teuren Betrieb großer Chipfabriken spart sich die Firma. Beispielsweise ist der A4-Prozessor, der in Apples neueren iPhones und dem iPad läuft, ein angepasstes ARM-Modell, ebenso wie die Snapdragon-CPU von Qualcomm, welche die Android-Smartphones von HTC antreibt. Auch in der Spielkonsole Nintendo DS und in zahlreichen Canon-Digitalkameras steckt ARM-Chiptechnik.

Hausers Freude über ARMs großen Vorsprung vor Intel kommt nicht von ungefähr. 1979 war der österreichische Physiker an der Gründung von Acorn Computers im britischen Cambridge beteiligt. Acorn produzierte ab 1982 den BBC-Micro, einen der ersten erfolgreichen Heimcomputer, der als Begleitrechner für ein Informatik-Bildungsprogramm des öffentlich-rechtlichen Senders diente. Der BBC Micro stellte die junge Firma auf eine solide wirtschaftliche Grundlage.

Mobilchip für den Newton

Die technische Basis für den heutigen Erfolg schufen die Acorn-Ingenieure Sophie Wilson und Steve Furber, die Anfang der 1980er Jahre den ersten ARM-Prozessor auf Grundlage des RISC-Projekts der Universität Berkeley entwarfen. ARM stand seinerzeit für Acorn RISC Machine. Nach dem Zusammenbruch des für Acorn wichtigen Heimcomputermarkts Mitte der 1980er Jahre hatte das Unternehmen trotz innovativer Produkte wie des Archimedes oder später des RISC-PCs keine Chance gegen die Flut von IBM-PC-Klonen. Als 1998 der Hauptinvestor Olivetti ausstieg, ging es mit Acorn schnell zu Ende.

Die Chipdesignsparte jedoch lebt bis heute weiter. 1990 gründeten Acorn und Apple das Joint Venture Advanced RISC Machines, die heutige ARM Holdings. Erstes prominentes Mobilgerät mit ARM-Prozessor war Apples „Personal Digital Assistant“ Newton, ein Gerät mit Handschrifterkennung, dessen Konzept seiner Zeit weit voraus war. Apple setzte auf den ARM-Prozessor, weil er schon damals mit seiner vergleichsweise simplen RISC-Architektur wenig Energie verbrauchte - ein Vorteil, den die Ingenieure des Unternehmens konsequent weiterentwickelten.

Neustart an der Börse

1998 ging ARM an die Londoner Börse und wurde auch im NASDAQ notiert. Die Aktie schoss zur Zeit der Internetinvestitionsblase steil nach oben, stürzte aber nach deren Platzen ab und dümpelte dann jahrelang vor sich hin. Ab Mitte 2009 jedoch griff der Smartphone-Boom und machte ARM auch für Investoren wieder interessant. Derzeit ist das Unternehmen an der Börse rund sieben Milliarden Euro wert, mehr als zuletzt AMD mit 4,5 Milliarden, aber wesentlich weniger als Intel mit umgerechnet rund 90 Milliarden Euro.

War das Papier im Jänner 2009 noch rund 90 Pence wert, liegt es heute bei rund 4,7 Pfund (5,55 Euro). Man sehe sich trotz eines unsicheren wirtschaftlichen Umfelds für weiteres Wachstum bestens positioniert, heißt es im Fazit des letzten ARM-Quartalsberichts.

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