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„Zwischen 15 und 20 Schüsse“

Bei einem Anschlag im US-Bundesstaat Arizona ist am Samstag die US-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords durch einen gezielten Kopfschuss schwer verletzt worden. Bei der während einer Fragestunde der Politikerin erfolgten Tat starben in einem Einkaufszentrum in Tucson mehrere Menschen, darunter ein kleines Mädchen.

Nach Angaben von Krankenhaussprecherin Darci Slaten überlebte Giffords schwerverletzt und wurde sofort operiert. Die Ärzte sprachen von einem glatten Kopfdurchschuss. Die Kugel sei wieder ausgetreten. Die Politikerin befinde sich weiterhin in einem kritischen Zustand, sagte ein Krankenhausarzt. Er sei aber optimistisch, dass die Patientin überlebt. Erste Tests hätten ergeben, dass ihr Gehirn reagiert. Insgesamt seien zehn Opfer operiert worden, fünf befänden sich in einem kritischen Zustand.

Polizeichef: Sechs Tote

Das Attentat forderte sechs Todesopfer, darunter ein neunjähriges Mädchen und ein US-Bundesrichter. Nach bisherigen Informationen war der 22-jährige Jared Lee L. bei einer öffentlichen Veranstaltung der Demokratin plötzlich nach vorne gestürmt und hatte um sich geschossen. Giffords wurde laut dem TV-Sender Fox News aus nächster Nähe gezielt in den Kopf geschossen.

Einsatzkräfte riegeln Tatort nach Schießerei ab

AP/Chris Morrison

Polizeisperre vor dem Tatort in Tucson

Augenzeugen berichteten gegenüber CNN, sie hätten 15 bis 20 Schüsse gehört. Nach einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Radiosenders NPR konnte ein Passant den Schützen auf der Flucht stoppen und am Boden festhalten, bis dieser festgenommen wurde. Laut Polizeiangaben ist es zwei nicht näher bezeichneten „mutigen Personen“ zu verdanken, dass L. verhaftet werden konnte.

Abschiedsgruß im Internet?

L. soll unmittelbar vor der Tat im Internet einen Abschiedsgruß veröffentlicht haben. Konkret habe er sich mit „Auf Wiedersehen, meine Freunde“ im sozialen Netzwerk MySpace verabschiedet. Die Seite wurde am Samstag entfernt, kurz nachdem der Bewaffnete von den US-Behörden identifiziert wurde. „Bitte seid mir nicht böse“, hatte L. demnach wenige Stunden vor der Schießerei geschrieben. Bereits zuvor soll er im Internet über die US-Regierung gewettert haben. Außerdem kritisierte er die hohe Analphabetenrate im Kongressbezirk der Abgeordneten Giffords.

Streitbare Demokratin

Bereits mehrmals hatte es zuletzt konkrete Drohungen gegen Giffords gegeben. Das politische Klima in Arizona ist seit der Kongresswahl Anfang November extrem aufgeheizt, da die ultrakonservative republikanische „Tea Party“-Bewegung sich Hoffnungen macht, den US-Bundesstaat in ihrem Sinn „umdrehen“ zu können. Giffords gilt als streitbare Demokratin, die nicht immer auf Parteilinie liegt.

So tritt die nun Niedergeschossene im Widerspruch zu vielen Parteifreunden seit langem für das Privatrecht auf Schusswaffen ein. Allerdings trat sie als eine der vehementesten Befürworterinnen der Gesundheitsreformpläne von US-Präsident Barack Obama auf. Die 1970 geborene Giffords vertritt seit Jänner 2007 als Kongressabgeordnete den Süden des US-Staates Arizona. Bei den Wahlen im vergangenen November hatte sich Giffords zum dritten Mal einen Sitz im Repräsentantenhaus gesichert.

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