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Spurensuche in Serbien

Der von China vor rund einem Jahr erstmals präsentierte Tarnkappenbomber J-20 könnte mit Hilfe von US-Technologie entwickelt worden sein. 1999 wurde im Balkan-Krieg ein US-Jet über Serbien abgeschossen. Die Wrackteile des F-117 Nighthawk wurden teilweise von Anrainern der Absturzstelle abtransportiert - und gerieten offenbar in die Hände Chinas.

Das berichtete die Nachrichtenagentur AP nach Interviews mit kroatischen und serbischen Militärs. Der US-Tarnkappenbomber war am 27. März 1999 von einer serbischen Flugabwehrrakete abgeschossen worden. Es war das erste Mal, dass eine solche Maschine im Kampfeinsatz getroffen wurde – von cleverer Taktik und purem Glück sprach das Pentagon damals. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten.

Wrackteile des US-Jets F-117 Nighthawk 1999 in Serbien

AP/Vladimir Dimitrijevic Tanjug

Wrackteile des über Serbien abgeschossenen Bombers

Serbien bestätigte, dass Teile des Wracks von Souvenierjägern davongetragen worden seien und einige davon „in die Hände ausländischer Militärattachees“ gerieten.

Trümmer Bauern abgekauft?

„Unsere Geheimdienste berichteten damals von chinesischen Agenten, die die Region des Absturzes durchkämmten und Teile des Flugzeugs einheimischen Bauern abkauften“, sagte der kroatische Admiral Davor Domazet Loso. Auch er vermutet, dass die Trümmer den Chinesen Einblicke in die Stealth-Technologie gaben.

Militärexperte Zoran Kusovac meint, die Regierung des damiligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic habe regelmäßig erbeutetes westliches Material mit den russischen und chinesischen Verbündeten geteilt. „Und die zerstörte F-117 stand auf der Wunschliste der Russen und Chinesen ganz oben.“ Einige Wochen nach dem Abschuss wurde in Belgrad übrigens die chinesische Botschaft von der NATO bombardiert - „aus Versehen“, wie die US-Militärs bis heute versichern.

Reste im Museum

Andere Teile der Maschine wie der linke Flügel, das Dach des Cockpits, der Schleudersitz und der Helm des Piloten landeten im Belgrader Luftfahrtmuseum. Dessen stellvertretender Direktor Zoran Milicevic weiß nicht, wo der Rest des Flugzeugs geblieben ist. Delegationen aus China, Russland und den USA hätten das Museum bereits besucht. Interesse, die Ausstellungsstücke mitzunehmen, hätten sie aber nicht gezeigt.

chinesischer Tarnkappenbomber J-20 im Vergleich mit dem US Air Force F-22 Raptor

Reuters/Kyodo

Der chinesische J-20 (oben) im Vergleich mit der F-22 Raptor der US Air Force

Erster Test während Gates-Besuchs

Der neue Tarnkappenkampfjet Chinas hatte Berichten zufolge am 11. Jänner, ausgerechnet während des Besuchs des damaligen US-Verteidigungsminister Robert Gates in Peking, seinen Jungfernflug absolviert. Staatliche Medien veröffentlichten Fotos, die den J-20-Jet über der südwestlichen Provinz Sichuan zeigen.

Der Prototyp des J-20 war japanischen Berichten zufolge erst kürzlich fertiggestellt worden. Der Kampfjet ist nach Ansicht von Experten aber erst in mehreren Jahren einsatzbereit. Auf Fragen nach dem Tarnkappenjet sagte ein Sprecher des Außenministeriums, Hong Lei, vor Journalisten in Peking lediglich, China verfolge eine defensive Verteidigungspolitik. Mit der Entwicklung von Wissenschaft und Technik modernisierten alle Länder ihre militärische Ausrüstung. „Das ist nur normal.“

Gates meinte, er sei „beunruhigt“ über den ersten Flug des Jets, und hob die Bedeutung des Dialogs zwischen Washington und Peking hervor. Das Projekt hat selbst den amerikanischen Geheimdienst überrascht, wie Gates vor Beginn seines Besuches in Peking eingeräumt hatte.

Auch Russland und Iran wollen Tarnkappenbomber

Die F-117 Nighthawk galt als erster Kampfjet mit funktionierender Stealth-Technologie und wurde bis 2008 eingesetzt. Die US-Armee setzt nun auf die F-22 Raptor des US-Herstellers Lockheed Martin und den B-2-Bomber, der als Prunkstück der US-Streitkräfte gilt. Als Zukunftshoffnung gilt der F-35-Jet, zuletzt sorgte die teure Entwicklung allerdings für Probleme.

Russland arbeitet schon seit Jahrzehnten an einem Tarnkappenbomber. Die MiG 1.44 ging allerdings nie in Serienproduktion, die Suchoi T-50, gewissermaßen das Nachfolgemodell, hatte im Jänner 2010 - um vier Jahre verspätet - ihren Jungfernflug. Experten vermuten auch hier, dass die abgeschossene US-Maschine „Pate gestanden“ sei.

Vor wenigen Monaten vereinbarte Russland mit Indien, gemeinsam ein Tarnkappenflugzeug für ihre Streitkräfte zu entwerfen. Im Februar 2010 wiederum behauptete das iranische Militär, erfolgreich ein Tarnkappenflugzeug getestet zu haben. Israel bestellte im Vorjahr 20 F-35-Tarnkappenbomber von Lockheed Martin. Die Lieferung soll zwischen 2015 und 2017 erfolgen.

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