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Mobilmachung via Facebook und Co.

Die blutigen Proteste in Ägypten gegen Präsident Hosni Mubarak finden kein Ende. Inspiriert durch die Vorgänge in Tunesien widersetzten sich zahlreiche Menschen am Mittwoch in Kairo dem Demonstrationsverbot. „Das Volk will den Sturz des Regimes“, skandierten sie vor einem Justizgebäude. Träger des Aufstandes sind unzufriedene junge Ägypter, die sich über das Internet formieren.

Ähnlich wie zuvor in Tunesien organisieren auch in Ägypten die meist jungen Demonstranten ihre Proteste über Soziale Onlinenetzwerke wie Facebook und Twitter. „Geht nicht zur Arbeit, geht nicht in die Schule. Lasst uns alle Hand in Hand für unser Ägypten auf die Straße gehen“, schrieb ein Aktivist auf Facebook. „Wir werden Millionen sein.“

Traditionelle Parteien „laufen hinterher“

„Es ist, glaube ich, und das ist ähnlich wie in Tunesien, im Moment eine Bewegung, die vor allem von Jugendlichen vorangetrieben wird. Und man kann wirklich zuschauen, wie die alten Oppositionsparteien hinter diesen Jugendlichen herlaufen“, berichtete ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary in der ZIB um 13.00 Uhr.

Selbst die stärkste Oppositionskraft in Ägypten, die Muslimbrüderschaft, habe sich bisher nicht offiziell an den Protesten beteiligt. Viele der jungen Muslimbrüder gingen aber dennoch auf die Straße. „Nicht als Muslimbrüder, sondern als junge Ägypter“, so El-Gawhary.

„Das ist unsere Rebellion“

Die Jugendlichen seien nicht bereit aufzugeben. Sie wollen sich in ihrem Kampf gegen Mubaraks Regime offenbar auch von den traditionellen Oppositionskräften abgrenzen: Bei Kundgebungen in Kairo versuchten Oppositionspolitiker das Wort zu ergreifen, Jugendliche hätten diese jedoch einfach niedergeschrien: „Nein, das hier ist unser Aufstand, das ist unsere Rebellion, die wollen wir uns nicht von euch wegnehmen lassen. Ihr, die ihr die ganzen Jahrzehnte nichts gegen das Regime gemacht habt. Jetzt sind wir dran“, berichtete El-Gawhary.

Polizei und Demonstranten stehen sich gegenüber

APA/EPA/Khaled El Fiqi

Massives Polizeiaufgebot in Kairo

Selbst praktische Tipps, wie man sich etwa am besten gegen gepanzerte Wasserwerfer wehrt, würden in Internetforen kursieren, so El-Gawhari. Blogger riefen die Demonstranten demnach dazu auf, Farbbeutel mit schwarzer Farbe mitzubringen, die sie auf die Scheiben der Wasserwerfer werfen sollten, damit die Fahrer nichts mehr sehen könnten. Anschließend sollten die Reifen der Fahrzeuge aufgeschlitzt werden.

Nach Twitter offenbar auch Facebook gesperrt

Wie groß die Bedeutung von Facebook, Twitter und Co. in diesem Protest ist, zeigt das Bemühen der Regierung, diese Kommunikationstools auszuschalten: Nach dem Kurznachrichtendienst Twitter wurde am Mittwoch offenbar auch das Soziale Netzwerk Facebook zumindest für mehrere Stunden gesperrt. Ein Facebook-Sprecher verwies auf Anfrage auf Angaben des Berkman Center for Internet & Society der Harvard-Universität. Demnach lagen dem Zentrum Berichte aus Ägypten vor, wonach die Website von Facebook nicht länger zugänglich sei.

Twitter hatte am späten Dienstagabend bestätigt, dass seine Website in Ägypten blockiert worden sei. In der Innenstadt Kairos funktionierten zeitweise die Mobiltelefone nicht.

Zugleich stellte der ägyptische Ministerpräsident Ahmed Nasif dem Land Meinungsfreiheit in Aussicht. „Die Regierung hat die Absicht, die Freiheit der Meinungsäußerung mit legitimen Mitteln zu garantieren“, sagte Nasif nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur MENA am Mittwoch. Er erklärte weiter, die Polizei habe bei ihren Einsätzen gegen Demonstranten am Dienstag Zurückhaltung geübt.

Mubarak-Sohn nach Großbritannien geflüchtet?

Unterdessen verbreiteten sich im Internet Gerüchte, wonach Präsidentensohn Gamal Mubarak, der als Nachfolger seines 82-jährigen Vaters Hosni gehandelt wird, mit seiner Familie nach Großbritannien geflohen sei. Eine Bestätigung gibt es dafür jedoch noch nicht.

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