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Neue Unruhen in Sues

Die Demonstranten in Ägypten ignorieren das harte Vorgehen der Führung von Staatschef Hosni Mubarak: Auch am Mittwoch kam es trotz Verbots zu zahlreichen Protesten und Zusammenstößen mit der ägyptischen Polizei. Dabei kamen in Kairo ein Demonstrant und ein Polizist ums Leben.

Damit steigt die Zahl der Todesopfer bei dem Aufstand gegen das Mubarak-Regime auf sechs. Bereits in der Nacht zuvor waren in der Hafenstadt Sues drei Demonstranten und ein Polizist ums Leben gekommen. Ein anderer Sicherheitsvertreter behauptete später dagegen, die zwei Toten seien Opfer eines Autounfalls geworden - ohne Zusammenhang mit den Demonstrationen.

Besonders heikel war Mittwochabend die Lage in der Hafenstadt Sues. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden 52 Demonstranten und Polizisten verletzt, nach Angaben von Ärzten waren es mindestens 70. Das Innenministerium verhängte in der Stadt eine nächtliche Ausgangssperre. Der Konflikt war eskaliert, nachdem die Polizei eine große Trauerfeier für die vier Männer verboten hatte, die in der Nacht zuvor getötet worden waren. Wütende Demonstranten stürmten einen Polizeiposten. Die Polizei trieb sie daraufhin mit Gewalt auseinander.

Verwaltungsgebäude angezündet

Im Zuge der Proteste gegen Mubarak setzten Demonstranten laut Augenzeugenberichten ein Gebäude der Stadtverwaltung in der nordägyptischen Hafenstadt Sues in Brand. Demonstranten hätten das Gebäude mit Molotow-Cocktails beworfen, berichteten die Augenzeugen. Auch die Parteizentrale von Mubaraks Partei in Sues sei mit Brandsätzen beworfen worden. Die Angreifer hätten sich gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert, die mit Tränengas und Gummigeschoßen gegen die Menge vorgegangen sei.

Festnahme bei Demonstration

APA/EPA/Mohamed Omar

Polizisten in Zivil nehmen einen Demonstranten fest.

Auch in Kairo versammelten sich an verschiedenen Orten Menschen, um gegen die Regierung und Präsident Mubarak zu protestieren. Die Polizei konnte die einzelnen Gruppen jedoch diesmal leichter vertreiben als am Vorabend, als sich rund 10.000 Menschen auf dem zentralen Tahrir-Platz versammelt hatten.

Mubarak reagiert wie Ben Ali

Die ägyptische Führung reagierte bisher nicht auf die zum Teil sehr unterschiedlichen Forderungen der Demonstranten, die sich zwar alle vom Beispiel des tunesischen Volksaufstandes inspiriert fühlen, ansonsten aber zum Teil sehr verschiedene Vorstellungen haben. Vielmehr reagiert die Führung - ganz ähnlich wie Tunesiens gestürzter Staatschef Zine el Abidine Ben Ali - vorerst mit aller Härte: Ausgangsverbote, Verhaftungen und offene Polizeigewalt. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Proteste - wenn auch in kleinerem Umfang - den zweiten Tag in Folge andauerten.

Einige Demonstranten gingen auf die Straße, um höhere Löhne für Staatsdiener zu fordern, andere, um gegen eine neue Kandidatur von Mubarak bei der geplanten Präsidentschaftswahl im Herbst zu protestieren. Islamistische Slogans waren bei den Demonstrationen nicht zu hören.

Demonstration in Kairo

APA/EPA/Ahmed Youssef

Schon am Dienstag gingen Tausende Menschen in Kairo auf die Straße.

Journalisten als Sündenböcke

Gleichzeitig wurden in Kairo mehrere Journalisten festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, die Massen aufgewiegelt und Chaos in den Straßen erzeugt zu haben. Seit Dienstag wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen landesweit mehr als 800 Demonstranten festgenommen. Auf die Appelle westlicher Verbündeter, einen demokratischen Dialog zuzulassen, reagierte die Führung in Kairo zunächst nicht.

USA ändern Strategie

Die USA drängen ihren engen Verbündeten unterdessen unverblümt zu Reformen. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die ägyptische Regierung jetzt die große Chance hat, politische, wirtschaftliche und soziale Reformen einzuleiten, um auf die legitimen Bedürfnisse des ägyptischen Volkes zu reagieren“, sagte Außenministerin Hillary Clinton am Mittwoch. Clinton forderte die Führung in Kairo auf, friedliche Proteste nicht zu verhindern und Soziale Netzwerke, über die zu Demonstrationen aufgerufen wird, nicht zu blockieren.

In den auch bei österreichischen Touristen beliebten ägyptischen Urlaubsorten am Roten Meer war von den Unruhen nichts zu spüren. Allerdings sagten die Reiseveranstalter Ausflüge nach Kairo ab.

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