Regimegegner formieren sich in Algerien

Unter dem Eindruck der Vorgänge in Tunesien und Ägypten formiert sich nun auch in Algerien der Widerstand gegen das herrschende System und die sozialen Missstände im Land. Mehrere Gewerkschaften kündigten für die kommenden Tage große Streiks an.

Bereits heute legten knapp 90.000 Krankenpfleger die Arbeit nieder. Gestern hatten wieder junge Arbeitslose mit grausamen Selbstverletzungen gegen die Perspektivlosigkeit in dem Land nordafrikanischen protestiert. Drei Männer im Alter zwischen 27 und 33 Jahren schnitten sich mit Rasierklingen die Haut auf.

Mehrere Jahre Ausnahmezustand

Für den 12. Februar haben Anhänger der Opposition für Freiheit und Demokratie zu einer Demonstration in Algier für einen Sturz des Systems und für ein Ende des seit 1992 geltenden Ausnahmezustands aufgerufen. Algerien wird seit 1999 von Präsident Abdelaziz Bouteflika regiert, hinter dem das Militär steht.

Um einen Erdrutschsieg der Islamischen Heilsfront (FIS) bei der ersten pluralistischen Wahl Ende 1991 zu verhindern, hatte das Militär den Urnengang abgebrochen, den Ausnahmezustand verhängt und die islamistische Partei verboten. Das führte zu einem mehrjährigen Bürgerkrieg mit schätzungsweise 200.000 Toten.