Rumsfeld-Memoiren: Bush-Regierung als Hort der Inkompetenz

Keinen aus der Riege des früheren US-Präsidenten George W. Bush hat die Ächtung so gnadenlos getroffen wie Donald Rumsfeld. Der ehemalige Verteidigungsminister personifizierte den Übermut, die Rechthaberei und die fatalen Fehleinschätzungen der USA beim Kriegsgang im Irak, und er wurde dafür bestraft. 2006 drängte Bush den Minister zum Rücktritt, danach mieden selbst republikanische Parteikollegen den zur Belastung gewordenen Politiker.

Rumsfeld verschwand aus der öffentlichen Wahrnehmung, in die er heute mit der Präsentation seiner Memoiren zurückkehrte. Der Gedemütigte rechnet darin ab: Er schildert die Bush-Regierung als Hort von Inkompetenz und Intrigantentum.

Berlin und Paris mitschuldig an Irak-Krieg?

Rumsfeld teilt Vorwürfe in alle Richtungen aus - bis hin zu der Aussage, die Kriegsgegner Deutschland und Frankreich trügen eine Mitschuld am Irak-Krieg. Mit ihrer Ablehnung hätten der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac eine Eskalation bewirkt: „Die Franzosen und Deutschen vermittelten dem Regime Saddams - ob mit Absicht oder nicht - den Eindruck, es könne eine militärische Konfrontation aufhalten“, schreibt Rumsfeld.

„Indem sie Saddam ein falsches Gefühl der Sicherheit gaben - und dadurch den Anreiz für ihn zur Befolgung der UNO-Forderungen schwächten -, haben Deutschland und Frankreich ohne Zweifel die Kriegswahrscheinlichkeit erhöht, nicht verringert.“

„Amüsiert“ über Wirbel um „altes Europa“

Mit Befriedigung stellt Rumsfeld fest, dass sein abfälliges Wort vom „alten Europa“, das sich dem Irak-Krieg entgegenstellte, „längst zum Teil des allgemeinen Sprachguts geworden“ sei. „Die Äußerungen haben einen Aufschrei verursacht, vor allem bei denen, die gemeint waren“, schreibt Rumsfeld. Gemeint gewesen seien „die Eliten in Paris und Bonn“, fügte er hinzu - in Missachtung der Tatsache, dass die deutsche Regierung damals längst nach Berlin umgezogen war. Der Begriff „altes Europa“ sei ihm „versehentlich“ herausgerutscht, bereut habe er ihn aber nie: „Alles in allem hat mich der Wirbel wirklich amüsiert.“

Rumsfeld übt Selbstverteidigung

Der frühere Verteidigungsminister präsentiert sich in den Memoiren als Minister für Selbstverteidigung. Am Abgleiten des besetzten Irak in Chaos und Gewalt trügen andere Schuld: überforderte Amtsinhaber wie Bushs erster Außenminister Colin Powell und Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice etwa sowie die Geheimdienste, die den Aufstand gegen die US-Besatzer nicht hätten kommen sehen.

Rumsfelds besonderer Zorn gilt seinem Kabinettskollegen Powell, der sich später vom Irak-Krieg distanziert hatte. Powell habe sich in internen Sitzungen nie gegen den Krieg ausgesprochen: „Es ist in den Medien viel zu lesen, dass Colin Powell dagegen war“, sagte Rumsfeld süffisant dem Sender ABC. „Davon habe ich aber nicht das Geringste gemerkt.“