Den Haag: Taylor-Anwalt verweigert Schlussplädoyer

Der als Kriegsverbrecher angeklagte Ex-Präsident Liberias, Charles Taylor, hat erneut die entscheidende Schlussphase seines Prozesses boykottiert. Auch sein Rechtsanwalt Courtenay Griffiths weigerte sich heute, vor dem Sondertribunal für Sierra Leone in Leidschendam bei Den Haag zu erscheinen.

Er sollte eigentlich das Schlussplädoyer der Verteidigung vortragen. Das Gericht setzte die Verhandlung bis Freitag aus.

Erster Ex-Staatschef Afrikas vor Tribunal

Der Anwalt und Taylor hatten am Vortag den Gerichtssaal aus Protest verlassen, nachdem ihnen nicht gestattet worden war, eine umfangreiche Analyse des Prozessverlaufs als offizielles Dokument einzureichen. Griffith kündigte Berufung gegen diese Entscheidung des Tribunals an. Vor einer Entscheidung darüber werde er das Schlussplädoyer nicht halten.

Taylor selbst hatte am Dienstag noch dem ersten Teil des Schlussplädoyers der Anklage zugehört, den Gerichtssaal jedoch nach der ersten Pause nicht wieder betreten. Als Grund gab er an, krank zu sein. Heute ließ er mitteilen, er verzichte auf sein Recht, an der Verhandlung teilzunehmen.

Der 63-jährige Taylor ist der erste afrikanische Ex-Staatschef, der sich als mutmaßlicher Kriegsverbrecher vor einem internationalen Gericht verantworten muss. Ihm wird vorgeworfen, bis Ende 2001 den blutigen Bürgerkrieg in seinem Nachbarland Sierra Leone geschürt zu haben und für Waffenlieferungen große Mengen an geraubten Diamanten kassiert zu haben.