Papstermittler: Irlands Kirche vor Zusammenbruch

Der Gesandte des Papstes zur Überprüfung der Lage der katholischen Kirche in Irland zieht nach Informationen der irischen Presse eine verheerende erste Bilanz.

Die katholische Kirche des Landes befinde sich nach der Missbrauchskrise „am Rande des Zusammenbruchs“ und habe nur noch fünf bis zehn Jahre Zeit, um radikale Gegenmaßnahmen durchzuführen, heißt es laut Tageszeitung „Irish Independent“ in einem Bericht von US-Kardinal Sean O’Malley an Benedikt XVI., der in den kommenden Monaten nach Rom übermittelt werde, wie Kathpress meldet.

Irische Kirche verliert Einfluss

Das Blatt beruft sich auf ein Mitglied der Verbandsleitung der Association of Catholic Priests (Verband katholischer Priester), Tony Flannery. Dieser habe bei der Jahresversammlung der Laienorganisation The People of God (Gottes Volk) am Wochenende berichtet, O’Malley gebe der irischen Kirche nach eigenen Worten nur noch höchstens zehn Jahre, um eine Situation „wie in vielen anderen europäischen Ländern“ zu vermeiden, wo Religion nur noch eine marginale Rolle spiele.

Missbrauchsfälle erschütterten Irland

Der Missbrauchsskandal hatte die irische Kirche in mehreren Wellen moralisch und finanziell besonders hart getroffen. Entschädigungsforderungen brachten mehrere Orden und Diözesen an den Rand der Zahlungsfähigkeit; der Vatikan ordnete eine Untersuchung an. Papst Benedikt XVI. wandte sich im März 2010 in einem Hirtenbrief an die Katholiken von Irland und zeigte sich über den „schrecklichen Verrat“, den die Missbrauchstäter begangen hatten, entsetzt.