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Übergreifen auf Saudi-Arabien befürchtet

Rund 2.000 Polizisten haben am Mittwoch im Jemen versucht, die Demonstranten im Zaum zu halten und Kämpfe zwischen Regierungsgegnern und -unterstützern zu beenden. Bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und Gegnern der Regierung wurden zwei Menschen getötet und mindestens 20 verletzt. Die seit mehreren Tagen andauernden Proteste wurden auch am Donnertag immer gewalttätiger.

Mehr als tausend Menschen forderten in der Hauptstadt Sanaa den siebenten Tag in Folge ein Ende der seit 32 Jahren währenden Herrschaft von Präsident Ali Abdallah Saleh. „Das Volk will den Sturz des Präsidenten, das Volk will den Sturz des Regimes“, rief die aufgebrachte Menge. Dutzende Demonstranten wurden bei den Straßenschlachten verletzt und weggetragen. Augenzeugen berichteten, die Polizei habe anscheinend die Kontrolle über aufeinander losgehenden Gruppen verloren und sich zurückgezogen. Aus Polizeikreisen erfuhr Reuters, dass die Bereitschaftspolizei im Einsatz sei.

Ausschreitungen am Mittwoch

Augenzeugen und Oppositionelle berichteten, in der Hauptstadt Sanaa sei es am Mittwoch vor der Universität zu Ausschreitungen gekommen, nachdem sich Anhänger des Präsidenten einer Gruppe von mehreren Hundert Studenten entgegengestellt hatten. Die Studenten riefen: „Oh Ali, geh weg, so wie Mubarak!“ Die Nachrichten-Website „News Yemen“ meldete, als Reaktion auf die seit einer Woche dauernden Studentenproteste sei der Direktor der Universität, Khalid Tamim, entlassen worden.

Auch in der südlichen Hafenstadt Aden kam es zu Gewalt. Die Polizei setzte Tränengas gegen Demonstranten ein und gab auch mehrere Schüsse ab. Laut der Nachrichtenagentur AFP starben bei den Straßenschlachten zwei Demonstranten an den Folgen ihrer Verletzungen. Hunderte Angestellte staatlicher Unternehmen legten die Arbeit nieder und forderten höhere Löhne.

Keine erneute Kandidatur

Saleh, der im südarabischen Land seit 1978 an der Macht ist, hatte vor einigen Tagen angekündigt, er wolle bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2013 weder kandidieren, noch wolle er seinen Sohn für die Nachfolge vorbereiten. Zunächst hatte er geplant, die Verfassung so zu ändern, dass er unbegrenzt an der Macht bleiben könne.

Saleh spielte mit der Nennung seines Sohns auf den Volksaufstand in Ägypten an, der sich nicht nur gegen Präsident Hosni Mubarak gerichtet hatte, sondern auch gegen dessen politisch ambitionierten Sohn Gamal. Für seine Gegner ist das aber zu wenig. Wie auch Mubarak ist der jemenitische Präsident ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen Al-Kaida. Am Mittwoch sagte er, dass Menschen aus dem Ausland versuchen würden, Chaos zu säen.

Die jemenitische Regierung wird in der Bevölkerung scharf kritisiert, weil sie den Kampf gegen Al-Kaida immer mehr den USA überlässt. Die Opposition lehnt Wahlen ab, solange nicht grundlegende Reformen umgesetzt sind.

Radikaler Wandel für Saudi-Arabien

Selbst in Saudi-Arabien fordert nun eine Gruppe von Oppositionellen das Königshaus zu einem radikalen Wandel auf. Vorgeschlagen wird die Umwandlung des islamischen Königreiches in eine konstitutionelle Monarchie.

Außer dem König und dem Kronprinzen solle künftig kein Mitglied der Herrscherfamilie mehr ein öffentliches Amt bekleiden. Politische Beobachter befürchten ein Übergreifen der Proteste auf den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien, sollten sich die Demonstrationen in Bahrain ausweiten.

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