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Reisewarnung ausgesprochen

Nach stundenlanger Verzögerung hat das Bundesheer am Montagabend eine erste Gruppe von EU-Bürgern aus Tripolis ausfliegen könnten. Das bestätigte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Michael Bauer, in der ZIB2. An Bord befänden sich 62 Personen, darunter neun Österreicher und sieben Kinder, sagte der Sprecher. Auch Deutsche, Franzosen und Niederländer seien an Bord.

Die Maschine hätte bereits am frühen Abend abheben sollen. Der Abflug verzögerte sich, da sich zu dem Zeitpunkt nur ein „Bruchteil“ der Passagiere am Flughafen eingefunden hatten. Die Hercules-Maschine musste daher stundenlang auf Fluggäste warten. Zwischenzeitig gab es sogar Berichte über eine Sperre des Luftraums. Am späten Abend berichtete Bauer dann der APA, die Passagiere würden nicht zur Maschine vorgelassen.

Weitere Österreicher werden abgeholt

Die Bemühungen zur Ausreise der in Libyen verbliebenen „unter 100“ Österreicher liefen „auf Hochtouren“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal, am Dienstag. Österreich bemüht sich gemeinsam mit anderen EU-Staaten sowie mit in Libyen tätigen österreichischen Firmen um das Ausfliegen der Österreicher. Am Dienstag flog ein weiteres Unterstützungsteam mit Beamten des Innen-, Außen- und Verteidigungsministeriums nach Tripolis, um der Botschaft behilflich zu sein.

Am Dienstagvormittag startete die AUA mit einer größeren Maschine nach Tripolis, um alle Passagiere unterbringen zu können. AUA-Sprecher Martin Hehemann erwartet, dass das Flugzeug mit 196 Sitzplätzen beim Rückflug nach Wien praktisch voll ausgelastet sein werde.

Schwierige Kommunikation

Außerdem gebe es Gespräche mit EU-Partnern über alternative Rückhol-Möglichkeiten wie die Evakuierung auf dem Seeweg oder die Nutzung anderer Flughäfen im Land. Diese Möglichkeiten werden geprüft. Betroffen sind vor allem jene Österreicher, die im Osten Libyens festsitzen.

Die österreichische Botschaft ist nach Angaben von Launsky-Tieffenthal mit allen Österreichern in Kontakt, auch wenn sich die Kommunikation sehr schwierig gestalte. Internetverbindungen sind ausgefallen und das Telefonnetz immer wieder unterbrochen.

Offizielle Reisewarnung beschlossen

Angesichts der gewaltsamen Unruhen in Libyen laufen auf EU-Ebene Vorbereitungen, die Bürger aus dem nordafrikanischen Land auszufliegen, auf Hochtouren. Vom Außenministerium gibt es seit Montag eine offizielle Reisewarnung.

Demnach wird nicht nur vor Reisen nach Libyen gewarnt, sondern auch allen österreichischen Staatsbürger in Libyen geraten, das Land zu verlassen. Laut Außenministerium haben sich alle EU-Länder, die über das Instrument einer Reisewarnung verfügen, zu diesem Schritt geeinigt. Zu den Ländern gehören etwa Italien und Deutschland, wie Launsky-Tieffenthal präzisierte.

Ein Linienflug der AUA konnte am Montag erfolgreich von Tripolis nach Wien fliegen - 136 Menschen hatten den Flug gebucht. Die Maschine landete Montagabend in Schwechat - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Ankara schlägt Flucht nach Ägypten vor

Die Türkei rät ihren dort lebenden Bürgern unterdessen, sich vom Osten des Landes notfalls auf dem Landweg nach Ägypten in Sicherheit zu bringen. Gleichzeitig kündigte das türkische Außenministerium an, Staatsbürger mit vier Sonderflügen sowie zwei Schiffen aus dem nordafrikanischen Land herausholen zu wollen. Insgesamt gebe es in Libyen etwa 25.000 Türken, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu weiter.

In der Früh hatte eine Sondermaschine der Turkish Airlines einen organisierten Evakuierungsflug abbrechen müssen, weil die Maschine in der nordöstlichen Stadt Bengasi keine Landeerlaubnis mehr bekommen hatte.

„Höchste Alarmstufe“

Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) bezeichnete die Lage in Libyen als „unabsehbar“. Wegen Berichten aus der österreichischen Botschaft in Tripolis herrsche „höchste Alarmstufe“, die Sorge um die Österreicher sei jetzt das Wichtigste.

Er habe am Montag ein Unterstützungsteam mit einer AUA-Maschine nach Libyen entsandt. Mit der auf Malta stationierten Bundesheer-Maschine können laut Spindelegger jederzeit die bis jetzt rund 100 ausreisewilligen Österreicher außer Landes gebracht werden. Es kämen aber stündlich neue Anfragen von österreichischen Sahara-Touristen, die ebenfalls ausgeflogen werden wollen. Einige Landsleute in Bengasi im Osten Libyens seien derzeit nicht zu erreichen.

Kommunikation „extrem schwierig“

Die österreichische Botschaft in Tripolis rät „aktiv allen österreichischen Staatsbürgern auszureisen“. Alle Österreicher, die sich derzeit in dem nordafrikanischen Land aufhalten und zu denen die diplomatische Vertretung Kontakt hält, würden „inzwischen wohl ausreisen wollen“, wie Botschafterin Dorothea Auer im Telefongespräch mit der APA betonte.

Alle Ausreisewilligen sollten sich zum Flughafen in Tripolis begeben oder zumindest zu einem „Sammelpunkt in der Nähe des Flughafens“, sagte Auer. Derzeit versuche man, die Österreicher dorthin zu lotsen. Doch die Kommunikation sei „extrem schwierig und mühsam“ - Internetverbindungen sind ausgefallen, und das Telefonnetz ist seit Sonntagabend immer wieder unterbrochen.

USA verschärfen Reisehinweise

Auch die USA verschärften ihre Reisehinweise für das nordafrikanische Land. Familienmitglieder von Botschaftsbeschäftigten und nicht unbedingt notwendige Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung seien angewiesen worden, unverzüglich auszureisen, teilte das US-Außenministerium am Montag mit. Von Besuchen des Landes wurde abgeraten. Wer in Libyen unterwegs sein muss, solle „extreme Vorsicht“ walten lassen. In den nächsten Tagen seien „spontane Demonstrationen, Gewalt und Plünderungen möglich“, hieß es in der Mitteilung.

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