Themenüberblick

Heute bereits drei Viertel gefährdet

Weltweit ansteigende Meerestemperaturen, zunehmender CO2-Ausstoß und lokale Faktoren wie Überfischung bedrohen global die Korallenriffe. Bereits jetzt sind 75 Prozent aller Riffe, die für das Ökosystem der Meere besonders wichtig sind, gefährdet, heißt es in einem aktuellen Bericht des World Resources Institute (WRI), den US-Regierungsbehörden und NGOs gemeinsam erstellten.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

„Steigender Druck auf dem Land, entlang der Küste und zu Wasser verbindet sich zu einem perfekten Sturm an Bedrohungen für die Riffe“, sagte Jane Lubchenco von der US-amerikanischen National Oeanic and Atmospheric Administration (NOAA) über die Ergebnisse, die in dem Bericht „Reefs at Risk Revisited“ zusammengefasst wurden. Seit der letzten Untersuchung 1998 habe sich die Bedrohung von „besorgniserregend“ zu „katastrophal“ verschärft. Bereits damals waren die Forscher zum Schluss gekommen, dass 60 Prozent der Riffe durch menschliche Aktivität gefährdet seien.

Korallenriffe sind der Lebensraum für zahlreiche Lebewesen und sichern deren Überleben. Zudem schützen sie Strände vor Erosion und Sturmschäden und sind ein wichtiger touristischer Faktor.

Ein Mensch taucht oberhalb einer Korallenbank

Reuters/David Loh

Taucher erfreuen sich an der bunten Unterwasserwelt - noch.

Meere übersäuern

Mehr als eine halbe Milliarde Menschen sind auf die Korallenriffe als Nahrungs- und Verdienstquelle angewiesen, mit denen geschätzte 30 Milliarden Dollar (21,8 Mrd. Euro) Profit pro Jahr erwirtschaftet werden.

Die klimaschädlichen CO2-Emissionen - die Ozeane absorbieren deutlich mehr als Wälder - tragen zur Übersäuerung der Meere bei, was wiederum das Wachstum der Korallen behindert. Dazu kommt, dass die höheren Temperaturen an der Wasseroberfläche das Ausbleichen der Korallen vorantreiben.

Klimawandel und Überfischung

Zu den lokalen Faktoren, die Korallen gefährden, zählen das Überfischen der Gewässer und zerstörerische Fischfangmethoden wie der Einsatz von Gift (Zyanid) und Sprengstoff (Dynamit), die Verschmutzung durch giftige Abwässer, die unkontrollierte Verbauung von Küstenstreifen, Schiffe, die ihre Anker über Riffen abwerfen, und nicht nachhaltiger Tourismus. Wenn all diese Bedrohungen sich nicht verändern, werden mehr als 90 Prozent der Riffe bis zum Jahr 2030 und fast alle Korallenbänke bis 2050 in Gefahr sein, schlägt der Bericht Alarm.

Mehr als 275 Millionen Menschen leben innerhalb von 30 Kilometer Entfernung von Korallenbänken. In mehr als 100 Ländern schützen die Riffe mehr als 150.000 Kilometer Küste.

Neun Länder besonders gefährdet

Laut Bericht würden 27 Länder - die meisten in der Karibik, im Pazifik und dem Indischen Ozean - sozial und wirtschaftlich besonders von einer Zerstörung der Riffe getroffen. Die neun am meisten gefährdeten Länder sind demnach die Komoren, die Fidschi-Inseln, Grenada, Haiti, Indonesien, Kiribati, die Philippinen, Tansania und Vanuatu.

Auf lokaler Ebene die Überfischung einzudämmen und die Riffe zu schützen sei ein Teil der Lösung, sagen Umweltschützer. Doch „es ist völlig klar, dass es unbedingt notwendig ist, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, wenn wir die Verwirklichung der besorgniserregenden Szenarien verhindern wollen“, so Lubchenco.

Links: