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Flugzeuge in Kairo gelandet

Drei Privatjets des Al-Gaddafi-Clans sind am Mittwoch von Tripolis kommend Richtung Kairo geflogen. Alarm löste die griechische Flugüberwachung aus, nachdem sich eine Maschine etwa 14 Minuten lang im griechischen Flugraum aufgehalten hatte. Alle drei Maschinen landeten in Kairo, nachdem ihr Ziel zunächst noch unklar gewesen war.

Zuerst hatte es geheißen, die drei Maschinen seien in Richtung Kairo, Athen und Wien unterwegs gewesen. Ein Jet landete in Ägypten, wenig später folgten die zwei anderen. Laut Angaben des Flughafens in Kairo soll in der einen Maschine ein hochrangiger Offizier der libyschen Armee gewesen sein. Es handelt sich laut Angaben der libyschen Botschaft um General Abdel Rahman bin Ali al-Sajjid al-Sawi, den Vorsitzenden der libyschen Versorgungskräfte.

Er soll mit einer persönlichen Botschaft von Revolutionsführer Muammar Al-Gaddafi nach Kairo geschickt worden sein. Es wird vermutet, dass es dabei um die Koordination von Hilfsgütern geht, da das Land unter der wachsenden Gewalt stark leidet. Zunächst war angenommen worden, dass es sich um einen ehemaligen Verbündeten handeln könnte, der sich von Al-Gaddafi absetzten konnte. Mehrere Minister, Diplomaten, Offiziere und sogar ein Cousin von Al-Gaddafi hatten sich in den vergangenen zwei Wochen von ihm abgewandt.

EU verschärft Einreisebestimmungen

Eine Landung in Österreich ist nach Inkrafttreten der EU-Sanktionen übrigens nicht mehr möglich. Sie sehen Einreiseverbote sowohl für Al-Gaddafi als auch für 25 andere Führungsgestalten des Regimes vor, ebenso das Einfrieren von deren Vermögen in der EU. Die verschärften Sanktionen sollen am Freitag bei einem Sondergipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU offiziell beschlossen werden.

Al-Gaddafi warnte vor Intervention

Vor dem Start der Maschinen warnte Al-Gaddafi in einem Telefongespräch mit dem griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou vor einer Intervention in Libyen. Das werde Konsequenzen für die Sicherheit und Stabilität im Mittelmeer haben, zitierten ihn griechische Medien. Papandreou hingegen beharrte auf einer raschen Lösung der Problem in Libyen, damit es nicht zu einem Bürgerkrieg und einer humanitären Katastrophe kommt.

Am Mittwoch wurde eine weitere Schimpftirade Al-Gaddafis bekannt, in der er die Übergangsregierung in den von den Aufständischen kontrollierten Gebieten als Bande von „Verrätern“ bezeichnete. Ziel seiner Rede waren zudem die USA, Frankreich und Großbritannien. Diese hätten sich laut Al-Gaddafi gegen Libyen verschworen, um die Ölfelder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Front um Al-Gaddafi bröckelt

Aber nicht nur die Aufständischen setzen Al-Gaddafis Regime zunehmend unter Druck, auch aus den eigenen Reihen scheren immer mehr ehemalige Vertrauensleute aus. Wie am Dienstag bekanntwurde, stellte Al-Gaddafi seinen Verteidigungsminister Abu Bakr Junis und den Altrevolutionär und langjährigen Geheimdienstchef Mustafa al-Charubi unter Hausarrest.

Die beiden Weggefährten des Revolutionsführers aus frühen Jahren hätten die jüngsten Militäroperationen des Regimes abgelehnt, hieß es aus Tripolis. Junis ist einer von 26 Spitzenfunktionären des Regimes, gegen die die Europäische Union (EU) Kontensperren und Einreiseverbote verhängt hat.

Medien meldeten Verhandlungen

Der arabische TV-Sender al-Jazeera hatte vor wenigen Tagen auch gemeldet, hinter den Kulissen habe der libysche Machthaber den Rebellen angeblich ein Treffen angeboten, um seinen Rücktritt gegen Garantien zu ermöglichen. Auch die arabische Zeitung „Al-Schark al-Awsat“ hatte berichtet, Al-Gaddafi habe Kontakt zum Nationalrat aufgenommen, angeblich um vorzuschlagen, dass er mit seiner Familie ins Exil geht. Diese Meldungen wurden später von Al-Gaddafi und auch den Rebellen dementiert.

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