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Luftangriffe auf wichtige Ölstadt

Nach heftigen Kämpfen um die Hafenstadt Ras Lanuf im Osten Libyens ist am Mittwoch eine Pipeline in Flammen aufgegangen. Rebellen und Al-Gaddafi-Truppen geben sich gegenseitig die Schuld an dem Bombardement. Auch im Westen gewinnt Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi immer mehr die Oberhand. Die Stadt al-Sawija in der Nähe der Hauptstadt Tripolis ist besonders heftig umkämpft.

Riesige, schwarze Rauchwolken steigen über der kleinen Hafenstadt Ras Lanuf auf. Seit Tagen werden die Stellungen der Rebellen massiv bombardiert. Mittwochnachmittag berichteten Augenzeugen, dass die Pipeline auf dem Weg nach Sedra in Brand geraten ist. Auch Öltanks sollen von Raketen getroffen worden sein. Die Rebellen werfen Al-Gaddafi-Truppen vor, eine Ölpipeline getroffen und Öltanks bombardiert zu haben. Das Staatsfernsehen berichtete von Al-Kaida-nahen Gruppierungen, die für die Sprengung der Öltanks verantwortlich sein sollen.

Maschinen der libyschen Luftwaffe überquerten im Tiefflug die Ölstadt. Rebellen antworteten mit Raketenwerfern. Es ist nicht klar, wer für die Zerstörung der Pipeline verantwortlich ist. Der wichtige Ölhafen war vergangene Woche von den Rebellen eingenommen worden, sie konnten aber von den Al-Gaddafi Truppen zurückgeschlagen werden.

Unklare Lage

Gesicherte Berichte über die Kämpfe gibt es derzeit kaum. Die Angaben von Rebellen und dem Regime widersprechen einander häufig und können kaum überprüft werden.

BBC-Journalisten misshandelt

Drei Journalisten der britischen BBC wurden unterdessen während ihrer Berichterstattung über die Ereignisse in Libyen von Soldaten des Landes „festgenommen und geschlagen“. Wie der Sender mitteilte, wurden sie auch einer Scheinhinrichtung ausgesetzt. Das britische Außenministerium verurteilte die Tat scharf. Die drei Reporter waren am Montag an einem Kontrollposten zehn Kilometer südlich der umkämpften Stadt al-Sawija von libyschen Soldaten festgenommen, zu einer Kaserne gebracht und erst 21 Stunden später freigelassen worden.

„Sie schlugen mich mit einem Stock, sie setzten ihre Armeestiefel und ihre Knie gegen mich ein“, sagte einer der drei freigelassenen Journalisten, der aus Palästina stammende Feras Killani. In der Kaserne seien Gefangene, Männer aus dem zwischen Regierungstruppen und Rebellen umkämpften Sawija, misshandelt worden. Killani und seine beiden Kollegen, der Brite Chris Cobb-Smith und der Türke Goktay Koraltan, befanden sich am Mittwoch nicht mehr in Libyen.

Psychoterror mit Waffe am Nacken

Cobb-Smith berichtete auf BBC, ein Mann habe eine Automatikwaffe an die Nacken der festgehaltenen Männer gehalten. Dann sei er zu ihm gekommen, habe ihm die Waffe ebenfalls an den Nacken gehalten und zweimal nahe an seinem Kopf vorbeigeschossen. Koraltan sagte, er habe geglaubt, die Soldaten wollten ihn und seine Kollegen töten und die Tat den Rebellen oder dem Terrornetzwerk al-Kaida in die Schuhe schieben.

Die BBC verurteilte das Vorgehen gegen ihre Journalisten und forderte die libysche Regierung auf, eine freie Berichterstattung für alle Medien zu gewährleisten. Im Übrigen werde der Sender weiter aus Libyen berichten. Das britische Außenministerium verurteilte die „abscheuliche Behandlung“ des BBC-Teams. Die libysche Führung habe Journalisten in das Land eingeladen, um die Wahrheit zu sehen. Diese sei nun auf eklatante Weise sichtbar geworden.

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