Saudi-Arabien: Herrscher finden Demos sündig

Die arabischen Aufstände und die Aufrufe zu Demonstrationen in Saudi-Arabien machen die saudische Herrscherfamilie zunehmend nervös.

Der Außenminister des islamischen Königreiches, Prinz Saud al-Faisal, sagte heute vor der Presse in der Hafenstadt Dschidda: „Reformen kommen nicht durch Demonstrationen.“ Er schließe sich der Meinung der führenden Islamgelehrten von Saudi-Arabien an. Diese hätten festgestellt, dass Protestdemonstrationen sündig seien.

„Wir sind ein Staat nach islamischem Recht (...), und deshalb ist unser Weg der Dialog“, fügte der Prinz hinzu. Er sagte, das Staatsoberhaupt, König Abdullah, habe bereits eine Delegation aus der Ostprovinz empfangen und sich von dieser eine Liste mit Forderungen vorlegen lassen.

Reformen nach Protestaufrufen

In den vorwiegend von Schiiten bewohnten Städten des Ostens hatte es in den vergangenen zwei Wochen mehrere kleinere Protestaktionen gegeben, an denen sich zum Teil auch Frauen beteiligten. Das ist in Saudi-Arabien, wo eine strikte Trennung der Geschlechter vorgeschrieben ist, sehr ungewöhnlich.

Die Demonstranten hatten unter anderem ein Ende der Diskriminierung der Angehörigen der schiitischen Minderheit sowie die Freilassung von Gefangenen gefordert. Im Internet kursieren mehrere Aufrufe zu „revolutionären Demonstrationen“ in Saudi-Arabien, unter anderem für Sonntag sowie für den 20. März.

In Saudi-Arabien wird seit einigen Tagen über eine mögliche Kabinettsumbildung als Reaktion auf die zunehmenden Rufe nach Reformen spekuliert. Zu den Ministern, die ausgetauscht werden könnten, zählen angeblich auch der gesundheitlich angeschlagene Prinz Saud al-Faisal und Ölminister Ali al-Nuaimi.