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Demos auch in Damaskus und Aleppo

Auch in Syrien ist ein Ende der Proteste nicht abzusehen. Am Montag gingen erneut Tausende Menschen aus Protest gegen die Regierung auf die Straße. In der südlichen Stadt Daraa fand nach Angaben von Augenzeugen im Anschluss an die Beerdigung eines am Sonntag durch Sicherheitskräfte getöteten Demonstranten eine Massenkundgebung statt.

Schon am Vormittag fanden sich laut Augenzeugenberichten Tausende Demonstranten in Daraa ein. Der Demonstrationszug führte vom Friedhof zur Al-Omari-Moschee. Die Demonstranten skandierten „Revolution, Revolution“ sowie „Allah, Syrien, Freiheit“. Damit hätten sie die Beisetzung der am Freitag von Sicherheitskräften erschossenen Demonstranten begleitet, berichteten Einwohner. Die Armee habe an den Einfahrten der Stadt Stellung bezogen.

Am Sonntag wurde dort erneut ein Demonstrant getötet. 60 weitere Menschen wurden verletzt, als die Sicherheitskräfte mit scharfer Munition in die Menge schossen. Augenzeugen berichteten, die Demonstranten in Daraa hätten mehrere öffentliche Gebäude angezündet, darunter den Sitz des Gouverneurs, den Justizpalast und das Gebäude der regierenden Baath-Partei.

Kleine Zugeständnisse von Al-Assad

Staatschef Baschar al-Assad hatte, um den Protesten die Spitze zu nehmen, zuvor den Gouverneur der Provinz, Faisal Kulthum, seines Amtes enthoben. Außerdem ließ er 15 Demonstranten frei, die an den Tagen zuvor in der Stadt festgenommen worden waren. Der Funktionär habe „krasse Fehler im Umgang mit Protesten in der Region“ begangen und sei „auf Bitten der Bevölkerung von Daraa“ entlassen worden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur SANA am Sonntag.

Augenzeugen berichteten, dass am Sonntag Behördenvertreter die Angehörigen der Getöteten besucht und eine Bestrafung der Verantwortlichen für die Anwendung von „unverhältnismäßiger und tödlicher Gewalt“ in Aussicht gestellt hätten. Zugleich schossen die Sicherheitskräfte bei den jüngsten Protesten am Sonntag allerdings erneut in die Menge der unbewaffneten Demonstranten.

„Wir wollen Freiheit!“

Schon am Freitag hatten die Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf die Kundgebung in Daraa gefeuert und fünf Menschen getötet. Am Samstag war der Trauerzug für die Opfer in eine Kundgebung mit politischen Forderungen umgeschlagen. Auch am Sonntag riefen wieder Tausende im Zentrum der Stadt „Wir wollen Freiheit!“.

Insgesamt waren am Freitag in der Hauptstadt Damaskus, in Homs, Aleppo, Deir al-Zor und Daraa mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen, um Freiheitsrechte und ein Ende der Korruption zu fordern. In Syrien, das von Al-Assad mit eiserner Hand regiert wird, hatte es zuvor - anders als in anderen arabischen Ländern - noch keine größeren Proteste gegeben.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Menschenrechtler prangerten unterdessen „willkürliche Festnahmen“ und tödliche Übergriffe bei Demonstrationen in den vergangenen Tagen an. Am Freitag seien nach einer Kundgebung nahe der Omaijaden-Moschee in Damaskus elf Menschen festgenommen worden, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Vor zehn Tagen seien in Duma bei Damaskus vier Schüler in Handschellen aus ihrem Klassenraum abgeführt worden, die regierungsfeindliche Parolen gesprüht hatten. Weitere 32 Festnahmen habe es am Mittwoch in Damaskus gegeben. Die Menschenrechtsorganisation forderte die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen.

Human Rights Watch kritisierte die syrischen Behörden wegen „exzessiver Gewaltanwendung“ mit tödlichem Ausgang. In Daraa waren in den vergangenen Tagen bei regierungskritischen Demonstrationen fünf Menschen getötet worden. Ähnlich wie in anderen arabischen Staaten fordern die Demonstranten in Syrien, wo seit fast 40 Jahren ein Notstandsgesetz in Kraft ist, mehr politische Freiheiten.

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