Bolivien will Zugang zum Pazifik einklagen

In dem mehr als 130 Jahre alten Streit mit Chile über einen Zugang Boliviens zum Pazifik will die Regierung in La Paz nun internationale Organisationen und Gerichtsinstanzen einschalten.

„Die internationale Gemeinschaft muss verstehen, dass nun der Moment gekommen ist, damit diese für die Bolivianer ungeheure Wunde des versperrten Zugangs zum Meer durch ein gerechtes Urteil geheilt und unserem Land der maritime Charakter zurückgegeben wird“, sagte der linksgerichtete bolivianische Präsident Evo Morales gestern (Ortszeit).

Chile droht mit Gesprächsabbruch

Welche internationalen Institutionen gemeint waren, sagte Morales nicht. Infrage käme etwa der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag. Morales betonte aber, die Einschaltung internationaler Institutionen bedeute nicht das Ende der Gespräche mit Chile über einen Zugang zum Meer.

Allerdings stießen die Worte von Morales dort sofort auf Kritik. Es sei sehr schwer, die Gespräche aufrechtzuerhalten, wenn gleichzeitig Drohungen ausgestoßen würden, sagte etwa der oppositionelle Senator Jorge Pizarro. Die chilenische Regierung äußerte sich zunächst nicht.

Nur Ablenkungstaktik?

Bolivien hatte 1879 in einem Krieg mit Chile etwa 400 Kilometer Pazifikküste und die Atacama-Wüste verloren. Die Region gehört seither zu Chile. Beide Seiten sprechen seit 2006 wieder über das Problem. In der Vergangenheit diente der Anspruch Boliviens auf einen Zugang zum Meer bolivianischen Regierungen als Ablenkung von innenpolitischen Schwierigkeiten. Die Umfragewerte für Morales, die seit seinem Amtsantritt 2006 lange sehr hoch waren, sind in den vergangenen Monaten stark gefallen.