Befreiungstheologe Jose Comblin in Brasilien gestorben

Eine der Vordenker der Befreiungstheologie, Pater Jose Comblin, ist tot. Der gebürtige Belgier starb gestern im Alter von 88 Jahren im brasilianischen Bundesstaat Bahia, wie die Bischofskonferenz des Landes (CNBB) heute bestätigte.

Er habe im Ort Simoes Filho bei Salvador an einem Seminar teilgenommen und sei in der Früh nicht zum Gebet erschienen, sagte Pater Jose Oscar Beozzo. Als man nach ihm geschaut habe, sei er tot in seinem Zimmer gefunden worden.

Comblin, Autor zahlreicher Bücher, lebte seit über 50 Jahren in Südamerika, vor allem in Brasilien, wo er Ende der 1960er Jahre auf Einladung von Bischof Dom Helder Camara auch am Theologischen Institut in Recife arbeitete. Während Brasiliens Militärdiktatur (1964 bis 1985) musste er für mehrere Jahre nach Chile ins Exil gehen, bis die Pinochet-Diktatur ihn 1980 auch dort des Landes verwies.

Comblin habe sein Leben dem Volk und der Kirche Lateinamerikas gewidmet, sagte Beozzo. Mit ihm verliere die Kirche einen „Meister und unruhigen, fordernden Führer“. Die in Lateinamerika entwickelte Befreiungstheologie sieht in der Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten eine wichtige Aufgabe der Kirche. Ihre Vertreter gerieten immer wieder in Konflikte mit Herrschenden und auch konservativen Kirchenkreisen.