Wieder Proteste in Syrien und Jemen

Hunderttausende Menschen haben heute im Jemen sowohl für als auch gegen den seit 32 Jahren regierenden Präsidenten Ali Abdallah Saleh demonstriert. Auf dem Taghir-Platz in Sanaa sagte ein muslimischer Geistlicher zu Tausenden Saleh-Gegnern: „Unsere Revolution ist friedlich und wird friedlich bleiben.“ Auch in Syrien kam es erneut zu Demonstrationen.

Saleh mobilisiert Anhänger

Mit der Starrsinnigkeit, mit der er sich gegen seinen Rücktritt sträube, fordere Saleh „die Geduld und den starken Willen“ der Protestbewegung heraus. Einen geplanten Marsch zum Präsidentenpalast hatte die Opposition abgesagt, um eine weitere Zuspitzung der Lage zu verhindern.

Der bedrängte Staatschef mobilisierte seine eigenen Anhänger zu einer Sympathiekundgebung auf einem anderen Platz in Sanaa. In einer kurzen Ansprache rief er: „Mit meinem Blut und meiner Seele werde ich diesen Volksmassen dienen!“ Die Opposition hatte an diesem Tag zu Protesten unter dem Motto „Freitag der Rettung“ aufgerufen. Saleh wiederum holte seine Anhänger unter der Parole
„Freitag der Solidarität“ auf die Straße.

Video dazu in iptv.ORF.at

Syrien: Tränengas gegen Oppositionelle

Nach den Freitagsgebeten kam es auch in mehreren syrischen Städten zu Protesten gegen die regierende Baath-Partei. Sicherheitskräfte seien in einem Vorort von Damaskus mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen, berichteten Oppositionelle. Proteste habe es auch in den Küstenstädten Latakia und Banias gegeben.

Am Mittwoch hatte Präsident Baschar al-Assad die Massenproteste gegen ihn als Verschwörung des Auslands bezeichnet. Laut Augenzeugenberichten sollen in einem Stadtteil von Damaskus drei Demonstranten getötet worden sein.

Muslimbrüder erwarten Eskalation

Die syrischen Islamisten erwarten, dass der Machtkampf zwischen dem Al-Assad-Regime und seinen Gegnern in den kommenden Tagen weiter eskaliert. Der Generalsekretär der syrischen Muslimbruderschaft, Riad al-Schafka, sagte vor der Presse in Istanbul, Al-Assad habe viele Syrer mit seiner Rede vor dem Parlament am Mittwoch vor den Kopf gestoßen. „Sie haben jetzt jede Hoffnung verloren.“ Die Muslimbruderschaft ist die einzige gut organisierte syrische Oppositionsgruppe.