Mehrere Tote bei Protesten in Syrien

Bei Protestkundgebungen in Syrien haben Sicherheitskräfte gestern nach Angaben von Oppositionellen mindestens zwölf Menschen getötet. Zehn Menschen sollen außerhalb der Ortschaft Sanamin südlich der Hauptstadt Damaskus erschossen worden sein, zwei Demonstranten in dem Damaszener Vorort Duma. „Alle starben durch Scharfschützen, die meisten durch Schüsse in den Kopf“, sagte ein syrischer Aktivist gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Die syrischen Behörden werfen laut einem Bericht amtlicher Medien bewaffneten Gruppen den Beschuss von Bürgern und Sicherheitskräften vor.

Muslimbrüder erwarten Eskalation

Laut Aktivisten sollen Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen Demonstranten vorgegangen sein. Bei Demonstrationen in der Hauptstadt Damaskus, in Deir al-Sor, Homs, Kamischli, Amuda, Latakia und Daraa ließ die Polizei die Demonstranten offenbar jedoch gewähren. Die meisten Kundgebungen verliefen - in einer angespannten Atmosphäre und begleitet von massiven Aufgeboten der Sicherheitskräfte - friedlich.

Die syrischen Islamisten erwarten, dass der Machtkampf zwischen dem Regime von Präsident Baschar al-Assad und seinen Gegnern in den kommenden Tagen eskaliert. Der Generalsekretär der syrischen Muslimbruderschaft, Riad al-Schafka, sagte in Istanbul, Al-Assad habe viele Syrer mit seiner Rede vor dem Parlament am Mittwoch vor den Kopf gestoßen. „Sie haben jetzt jede Hoffnung verloren.“ Die Muslimbruderschaft ist die einzige gut organisierte syrische Oppositionsgruppe.

Jemen: Salehs Anhänger und Gegner auf der Straße

Auch im Jemen demonstrierten Hunderttausende Menschen sowohl für als auch gegen den seit 32 Jahren regierenden Präsidenten Ali Abdallah Saleh. Auf dem Tahrir-Platz in Sanaa sagte ein muslimischer Geistlicher zu Tausenden Saleh-Gegnern: „Unsere Revolution ist friedlich und wird friedlich bleiben.“

Mit der Starrsinnigkeit, mit der er sich gegen seinen Rücktritt sträube, fordere Saleh „die Geduld und den starken Willen“ der Protestbewegung heraus. Einen geplanten Marsch zum Präsidentenpalast hatte die Opposition abgesagt, um eine weitere Zuspitzung der Lage zu verhindern.

Der bedrängte Staatschef mobilisierte seine eigenen Anhänger zu einer Sympathiekundgebung auf einem anderen Platz in Sanaa. In einer kurzen Ansprache rief er: „Mit meinem Blut und meiner Seele werde ich diesen Volksmassen dienen!“ Die Opposition hatte an diesem Tag zu Protesten unter dem Motto „Freitag der Rettung“ aufgerufen. Saleh wiederum holte seine Anhänger unter der Parole „Freitag der Solidarität“ auf die Straße.

Video dazu in iptv.ORF.at