Themenüberblick

Brillanter Anwalt für Schwarze

Er ist das Oberhaupt der kleinen Westboro-Baptistenkirche und sorgt mit seinen Hasspredigten gegen Schwule, Lesben und US-Soldaten seit Jahren für Aufregung. Doch Anfeindung ist Fred Phelps gewöhnt. In den 60er Jahren setzte er sich für die Rechte der Schwarzen ein, machte damit viel Geld und zog dadurch viel Hass auf sich und seine Familie.

Seit den 90er Jahren organisiert der heute 82-jährige Phelps von der kleinen Stadt Topeka im US-Bundesstaat Kansas aus seinen Feldzug gegen Ungläubige, Homosexuelle und den USA im Allgemeinen. Seine zahlreichen Familien- und Kirchenmitglieder fahren durchs Land und sorgen vor allem bei Begräbnissen mit Schildern wie „Gott hasst Schwule“ für Wut und Unverständnis.

„Ich erkenne ihn nicht wieder“

Dabei setzte sich Phelps in jüngeren Jahren selbst vehement für Minderheiten ein. Als erfolgreicher Anwalt kämpfte er für die Rechte der Schwarzen, wie CNN recherchierte. CNN traf Joe Douglas, Bürgerrechtler und der erste schwarze Feuerwehrkommandant der Stadt Topeka, der Phelps bereits in den 60er Jahren kannte. „Ich erkenne ihn nicht mehr wieder. Ich sehe ihn und höre den Hass, der aus seinem Mund kommt. Wenn mich damals wer gefragt hätte, ob er so etwas tun würde, hätte ich gesagt: niemals.“

Erste Adresse bei Diskriminierungsfällen

Als Phelps 1954 nach Topeka zog, war die Stadt das Zentrum für die gerade erwachte Bürgerrechtsbewegung. Im selben Jahr wurde vom Obersten Gerichtshof der USA die Rassentrennung in öffentlichen Schulen aufgehoben. Damit war der Weg frei für eine Vielzahl an Diskriminierungsklagen. Viele Anwälte lehnten diese jedoch ab, weil sie fürchteten, dass sie von ihren schwarzen Klienten nicht bezahlt würden. Nicht so Phelps. „Fred hat diese Fälle übernommen“, erinnert sich Jack Alexander, ein Bürgerrechtler aus Topeka.

Phelps war so erfolgreich, dass er die erste Adresse für alle wurde, die sich diskriminiert fühlten. „Er verdiente mit diesen Fällen ein Vermögen“, erzählte Douglas. „Alle Unternehmen hassten ihn, weil er so erfolgreich war. Ich glaube, wenn sie Marsmenschen diskriminiert hätten, hätte er diesen Fall auch angenommen.“

Ein Mitglied der Westboro Baptistenkirche hält Schilder mit der Aufschrift "America is doomed" und "You're going to hell"

AP/Charlie Neibergall

Shirley Phelps-Roper mit ihren Kindern bei einer Mahnwache.

Zu diesem Zeitpunkt war das Thema Homosexualität, dem sich Phelps heute voll und ganz verschrieben hat, zumindest nach außen hin kein Problem. „Er hat nie darüber gesprochen. So lange ich ihn kannte, habe ich ihn nie darüber diskutieren gehört“, sagte Douglas.

Phelps verliert die Lizenz

1979 wurde Phelps vom Obersten Gerichtshof in Kansas die Anwaltslizenz entzogen. Angeblich, weil es Beschwerden gab, dass er Zeugen belästigt haben soll. In seiner Familie glaubt man aber, dass Phelps vielen einflussreichen Menschen lästig geworden war und sie daher seine Karriere zerstörten. Seine Tochter Shirley Phelps-Roper sagte gegenüber CNN, ihrem Vater sei die Lizenz entzogen worden, weil er sich für Schwarze eingesetzt habe.

Vom Anwalt zum Angeklagten

Nachdem ihr Vater einmal in einer TV-Sendung aufgetreten war, hätte bei ihnen zu Hause das Telefon geläutet. „Als ich das Telefon abnahm, schrie jemand ‚Negerfreund‘ in mein Ohr“, erinnert sich Shirley. Aber es sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass sie wegen der Arbeit ihres Vater angefeindet wird. In den späten 80er Jahren gründete er eine Kirche, die hauptsächlich aus seinen 13 Kindern und deren Familien besteht, die aktiv gegen Homosexualität predigt.

Seit den 90er Jahren steht er wieder regelmäßig im Gerichtssaal. Nur diesmal nicht als Anwalt, sondern als Angeklagter. Von seinen Kindern sind ebenfalls elf Anwälte geworden, was sich bei der Flut an Beschwerden und Anzeigen als durchaus hilfreich erwiesen hat.

Links: