Themenüberblick

Jahrzehntelanges Ringen um Demokratie

Seit die Elfenbeinküste im Jahr 1960 ein souveräner Staat geworden ist, steht das Land im Zeichen des erfolglosen Ringens um Demokratie. Gerade Europa ist am nunmehrigen Konflikt nicht unschuldig, wie die Chronologie der Ereignisse verdeutlicht.

1960: Unabhängigkeit von Frankreich, Errichtung eines autoritären Regimes mit Einheitspartei unter Präsident Felix Houphouet-Boigny, der einen prowestlichen Kurs steuert und enge Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht unterhält. In der neuen Hauptstadt Yamoussoukro lässt er die größte Kirche der Welt, die von Papst Johannes Paul II. geweihte Basilika Notre-Dame de la Paix, nach dem Vorbild des Petersdoms in Rom bauen.

1993: Tod Houphouet-Boignys, sein „Kronprinz“, Parlamentspräsident Henri Konan Bedie, setzt sich gegen Premier Alassane Ouattara durch und wird Präsident.

1999: Soldatenaufstand und Militärputsch: General Robert Guei stürzt Konan Bedie und wird Staatschef.

2000: Unter dem Einfluss der französischen Linksregierung von Premier Lionel Jospin Annahme einer demokratischen Verfassung mit Parteienpluralismus („Zweite Republik“). Der von Paris unterstützte sozialistische Exil-Politiker Laurent Gbagbo gewinnt die Präsidentenwahl. Die Kandidatur von Ouattara wurde wegen „nicht-ivorischer“ Vorfahren annulliert. Ausbruch schwerer Unruhen, nur mit französischer Hilfe kann Gbagbo sein Amt antreten, General Guei muss das Land verlassen.

2002: Fehlgeschlagener Putsch gegen Gbagbo. Dabei wird Guei getötet. Französische Militärintervention. Rebellion im überwiegend muslimischen Norden.

2003: Friedensabkommen zwischen der Regierung Gbagbo und Rebellen der Neuen Kräfte (FN) bleibt unwirksam.

2004: UNO-Befriedungsmission mit 1.300 Blauhelm-Soldaten.

2007: FN-Rebellenführer Guillaume Soro wird nach einem Kompromiss mit Gbagbo Premier.

November 2010: Präsidentenwahl führt zur Staatskrise: Der in der ersten Runde Drittplatzierte, Ex-Präsident Konan Bedie, gibt Wahlempfehlung für Ouattara ab. Ouattara gewinnt laut unabhängiger Wahlkommission, aber der Verfassungsrat erklärt Gbagbo zum Sieger. Afrikanische Union suspendiert Mitgliedschaft des Landes. Gbagbo und Ouattara leisten beide den Amtseid; Soro stellt sich auf die Seite von Ouattara und wird von diesem zum Premier ernannt. Militär hält Gbagbo die Treue.

Jänner 2011: Sanktionen werden gegen Gbagbo erlassen. Die USA sind das erste Land das gegen den abgewählten Präsidenten und seine innerste Führungsriege Sanktionen beschließt. Besitztümer in den USA wurden eingefroren. Mehrere Länder ziehen ihre Botschafter aus Abidjan ab. Nach Übergriffen verstärkt die UNO ihre Blauhelme-Truppe im Land.

Februar 2011: Die Kämpfe zwischen den Anhängern von Gbagbo und Ouattara eskalieren. Jede Woche werden Dutzende Tote gemeldet. Ende Februar setzen die Übergriffe eine Massenflucht von mehr als 200.000 Menschen in Gange.

März 2011: Der Kakaopreis steigt auf ein 23-Jahres-Hoch. Der Machtkampf im weltweit wichtigsten Kakaoexportland lässt den Kakaopreis in die Höhe schnellen. Anfang März ist eine Tonne mit 3.726 Dollar so teuer wie seit Jänner 1979 nicht mehr. Gbagbo bringt den Kakaohandel unter staatliche Kontrolle.

31. März 2011: Ouattara-Anhänger nehmen die offizielle Hauptstadt Yamoussoukro und den wichtigen Kakaoexporthafen San Pedro ein. Sie bringen das staatliche Fernsehen unter ihre Kontrolle. Gbagbo lässt ein Ultimatum verstreichen.

4. April 2011: UNO- und französische Kampfhubschrauber greifen in die Kämpfe in der Metropole Abidjan ein. Die Hubschrauber beschießen den Palast und die Residenz Gbagbos.

5. April 2011: Die Truppen Ouattaras greifen die Residenz Gbagbos an, in der sich dieser verschanzt hat. Sein Militärchef erklärt eine Waffenruhe. Gbagbo weigert sich weiterhin, die Macht abzugeben und ins Exil zu gehen.

6. April 2011: Ouattaras Anhänger starten einen „letzten Angriff“ auf den Bunker, in dem sich Gbagbo verschanzt hat. Gegen Mittag hört der Beschuss mit schweren Waffen auf. Die EU beschließt weitere Sanktionen gegen Gbagbo.